RÜTTENSCHEID - Gute Zeit.

Details

Fahrradstraße Rü eingeweiht

Nun ist sie eingeweiht worden, die Fahrradstraße auf der Rü. Viele am Planungsprozess Beteiligte waren versammelt, als der Oberbürgermeister Thomas Kufen sie heute formal einweihte. Neben Politik und Verwaltung waren beteiligt die Fahrradverbände, IHK und Handelsverband sowie die lokalen Vertreter wie BVR, Bürgerforum und IGR.

Das Ergebnis bedarf noch einer Umgewöhnung bei den Verkehrsteilnehmern, denn es gibt viele, die noch unsicher sind bei der Beurteilung der Lage.

Daher hier nochmal eine Erklärung der Lage (s.a. www.ruettenscheid.de/fahrradstrasse):

• Die Rü ist jetzt komplett Fahrradstraße und das bedeutet, dass Fahrräder die bestimmenden Verkehrsteilnehmer sind, auf die entsprechend auch besonders geachtet werden muss. Das betrifft zum Beispiel die Geschwindigkeit, der sich die Autos anpassen müssen. Fahrradfahrer dürfen auch nebeneinander fahren, es gilt aber weiterhin ein Rechtsfahrgebot und das Grundgebot der StVO, dass niemand unnötig behindert oder gefährdet werden darf.

• Es gilt Tempo 30 für alle Verkehrsteilnehmer. 

• Ein Überholen von Fahrrädern ist erlaubt, jedoch mit 1,50 m Abstand, also höchstens, wenn die Gegenfahrbahn frei ist.

• Die Rüttenscheider ist komplett Vorfahrtstraße geworden, was aber grundsätzlich keine Eigenschaft von Fahrradstraßen ist.

• Piktogramme auf dem Boden weisen deutlich auf den Vorrang der Fahrräder hin.

• An den Ampeln haben die Radfahrer einen Vorbeifahrstreifen bekommen und eine Aufstellfläche vor den Autos, den diese unbedingt freihalten müssen.

• Da eine Doppelpriviligierung nicht erlaubt ist, ist der Radstreifen auf dem Gehweg südlich der Martinstraße aufgehoben, was man an der veränderten Pflasterung an den Ecken und an Piktogrammen erkennt. Auf allen Gehwegen sieht die StVO aber vor, dass Kinder bis zum Alter von zehn Jahren auf Gehwegen Rad fahren dürfen und bis zum Alter von acht Jahren von Erwachsenen auf dem Rad begleitet werden können. Natürlich mit Rücksicht auf die Fußgänger.

• Die gestrichelten Linien am Fahrbahnrand gehören zum Konzept der Stadt Essen für Fahrradstraßen und nennen sich Schutzstreifen. Sie sollen die Fahrräder vom Fahrbahnrand fernhalten, damit sie vor geöffneten Autotüren sicher sind.

Insbesondere die letzten Punkte erfordern von Autofahren und Radfahren noch eine Umgewöhnung. Das gilt auch für die neue Einbahnstraßenregelung an der Witteringstraße. Also bitte weitersagen!

Die allermeisten Maßnahmen sind von deutlichem Vorteil für die Radfahrer. Nachteilig ist für Sie nur der Wegfall des Radstreifens auf dem Gehweg im Süden, der aber von sehr großem Vorteil für die Fußgänger ist, die ja auch gefördert werden sollen. Hiermit wird die Sicherheit und Aufenthaltsqualität wesentlich verbessert.

Neben vier Bäumen wurden 16 Kundenparkplätze geopfert, was aber für die Förderung des Radverkehrs von den Anlegern akzeptiert wurde.

Wie bei jedem Kompromiss gibt es entsprechend auch Unzufriedenheiten bei einzelnen Gruppen. An den beiden Tagen vor der Wahl wurde in der Presse spektakulär auf den Ladeverkehr zu Zeiten des morgendlichen Berufsverkehrs hingewiesen, der immer dort, wo geliefert wird, zu Behinderungen führen kann. Diese sind aber zeitlich und räumlich eng begrenzt und können umfahren werden. Ein durchgängig schnelles Befahren der Rü im Sinne einer Radhauptverkehrsachse ist grundsätzlich nicht möglich, Selbst bei einer Sperrung. Gründe dafür sind nicht nur der für die Anlieger lebensnotwendige Lieferverkehr, sondern auch zwei große kreuzende Hauptverkehrsstraßen mit Ampeln, Zebrastreifen, Busse, viele kreuzende Fußgänger, die Einkaufen u.s.w..

Die Frage, ob man den Autoverkehr und damit auch den Kundenzugang beschränken sollte, wurde zurückgestellt, um Erfahrungen zu sammeln. Die Anlieger haben schon mehrfach sehr schlechte Erfahrungen gemacht, so auch bei der Einbahnstraße, die zur Zeit in der Baustelle herrschte und zu extremen Umsatzeinbrüchen und Kundenverlusten geführt hat, die zum Teil bleiben werden, denn der Wettbewerb ist hart.

Diese Maßnahmen haben jedoch nichts zu tun, mit dem Wegfall des südlichen Radstreifens und dem dortigen Lieferverkehr zur Rushhour, was leider immer wieder suggeriert wird.

Das immer wieder vorgetragen Argument erheblichen Durchgangsverkehrs ist falsch und interessengeleitet, da der Durchgangsverkehr so gemessen wurde, dass jedes Auto, das von Martinstraße bis Rüttenscheider Stern fährt, als Durchgangsverkehr gezählt wurde, obwohl ein Abbiegen in die Emma- oder Christophstraße für einen Kunden keinen Sinn ergibt. Damit werden fast alle Kunden, die nicht sofort einen Parkplatz finden, als Durchgangsverkehr definiert, was sinnlos ist, denn damit ist eigentlich der Verkehr gemeint, der zum Beispiel statt über die Alfredstraße über die Rü zum Bahnhof fahren will und der liegt weit unter 10 %. Hier liegt also auch keine Lösung der angesprochenen Probleme. Dafür würde aber der Einzelhandel existenziell betroffen, wie sich jetzt mehrfach auf der Rü, aber auch an anderen Stellen bewiesen hat.

Das Ziel, Alternativen zum Autoverkehr zu fördern, wurde durch die Förderung des Rad- und des Fußgängerverkehrs sicher erreicht. Dies wird ergänzt durch Maßnahmen im Bereich des ÖPNV, über die wir hier schon berichtet haben. Leider wurde der Gutachter nicht beauftragt ergebnisoffen eine optimale Lösung für eine N-S-Verbindung zu finden sondern das Ergebnis, eine Fahrradstraße, wurde vorgegeben. Um den erfolgreichen Einzelhandelsstandort nicht zu gefährden und auch den vielen anliegenden Bewohnern nicht zu sehr zu schaden, wurde ausdrücklich eine einvernehmliche Lösung beauftragt. Ergebnis ist der vorliegende Kompromiss zwischen vielen Betroffenen mit berechtigten Interessen, die es glücklicherweise an diesem sehr erfolgreichen, gewerblichen Standort gibt. Damit wird auch der Vergleich mit der Umwelthilfe erfüllt.

 

 


Zurück