RÜTTENSCHEID - Gute Zeit.

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„Kunstszene Essen – Was gibt es Neues?“ Vieles!

Trotz des Termins, Sontagmorgen bei hochsommerlichem Wetter, war die Matinée zum Thema „Kunstszene Essen – Was gibt es Neues?“, die die IGR am 1.7.18 im Rahmen der 4. Rüttenscheider Kunstmeile im Kabü veranstaltete, ein voller Erfolg.
Die hochkarätigen Gäste sorgten für ein volles Haus und die Moderation von Prof. Oliver Scheytt dafür, dass so manche neue Information und Anregung in die öffentliche Diskussion eingebracht wurde.

Der neue Kulturdezernent Muchtar Al Ghusain wurde vorgestellt und erzählte unvermeidlich, wie er verständnisvoll anmerkte, von seiner Herkunft. Als Kind einer aus Jordanien geflohenen Flüchtlingsfamilie mit deutscher Mutter ist er in Würzburg aufgewachsen und hat Musik, Hauptfach Klavier, sowie Kulturmanagement studiert. In sehr persönlichen Worten schilderte er, wie ihn schon da ein Buch der Kulturdezernenten des Ruhrgebiets mit Beiträgen, auch von Oliver Scheytt, davon träumen ließ einmal eine solche Position einzunehmen.
Gegenwärtig orientiert er sich in allen Stadtteilen über die Lage und fragt auch seine Abteilungen kritisch nach dem Selbstverständnis und den Zielen, um ggf. eine neuen Aufstellung vorzunehmen. So trafen viele Diskussionsbeiträge sicher auf sehr offene Ohren.

Prof. Stephan Paul Schneider von der Hochschule der bildenden Künste in Essen erinnerte sich mit Mitstreiter Oliver Scheytt an die Anfänge und Widerstände bei der Gründung der Hochschule, die heute als eine der wenigen privaten hohe Anerkennung genießt und sogar wirtschaftlich arbeitet. 
Erstmals erläuterte er Erweiterungspläne räumlicher und inhaltlicher Art.

Dr. Uwe Schramm vom Kunsthaus und Vorstandsvorsitzender des Kulturbeirates, stellte diese Einrichtungen vor und erhob dabei den Anspruch darin vorauszudenken. Eine Herausforderung sei z.B. der neue Begriff der Festung Europas.
Neben dem Kulturbegriff sei aber auch die Eigenständigkeit und Freiheit der Kunst zu beachten und Kunst mehr in der Gesellschaft zu verankern. Als bemerkenswert wurde die Gründung des neuen Kunstvereins gelobt.

Colmar Schulte-Goltz, Rüttenscheider Galerist und Kunstexperte beschrieb Mechanismen, wie man die Menschen erreicht.

Rolf Krane als Veranstalter wies auf die Aktionen der IGR und den Kreativstandort Rüttenscheid hin. Mit der Kunstmeile (www.rüart.de), Diskussionen wie dieser, oder auch dem neuen Kompendium "Kreativ in Rüttenscheid" wird die Kreativszene gefördert und der Zugang zu erleichtert.

Offen reagierten die Experten auf Vorschläge, wie der einer öffentlichen Galerie – und sei sie, aus Geldmangel, auch nur als Idee zu betrachten, zu der auch verschiedene verteilte Maßnahmen beitragen könnten. Erlebnisse aus Museen oder Konzertsälen anderenorts, die gleichzeitig soziale Orte sind, wurden als beispielhaft dargestellt. Warum einen Konzert- oder Museumsbesuch nicht so gestalten, dass man ihn als Treffpunkt mit gastronomischem Angebot und Aufenthaltsqualität und als Teil des Lebens in der Stadt erfährt? Die Kunstmeile und die Förderung von Kleinkonzerten und Ausstellungen im öffentlichen Raum durch die IGR ist auch ein kleiner Schritt in diese Richtung.

Einrichtungen, wie der Kreativbeirat könnten und wollen wohl auch mehr transparent und öffentlich arbeiten. 
Es zeigte sich, dass auch die vielen Kulturangebote mehr Kommunikation erfordern, um wahrgenommen und geschätzt zu werden. Eine regelmäßige Publikation als Heft oder im Internet? Vielleicht könnte dies eine Aufgabe neuer Strukturen in der Kulturverwaltung sein. Was die Wahrnehmung nach außen betrifft, so ist ja auch die EMG zuständig, die auch gerade eine neue, dynamische Geschäftsführung erhalten hat.

Vielfach wurde auch die Bedeutung der Schulen und Kunsterzieher betont, die gerade heute besonderer Förderung bedürfen. Da trifft es sich gut, dass Al Ghsain auch für die Schulen in unserer Stadt zuständig ist.

Viele Chancen also, insbesondere durch die neuen Akteure in der Verwaltung und viel Idealismus und Leidenschaft bei vielen in der Stadtgesellschaft. Hoffen wir, dass wir daraus gemeinsam mehr machen können. Der Zeitpunkt für diese ungewöhnlich konstruktive Veranstaltung war ideal.


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