RÜTTENSCHEID - Gute Zeit.

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Mobilitätsbefragung genau betrachtet

Die Stadt hat von September 2018 bis April 2019 eine Befragung Essener Bürger vorgenommen, um festzustellen, wie sich seit der letzten Befragung 2011 das Mobilitätsverhalten verändert hat.

Ein politisches Ziel ist es seit der Grünen Hauptstadt, bis 2034, also in 15 Jahren, eine Aufteilung der Verkehrsträger von je 25% MIV (Motorisierter Individualverkehr), ÖPNV, Radverkehr und Fußwege zu erreichen.

Dieses Ziel wird mit den Problemen begründet, die in letzter Zeit besonders intensiv diskutiert werden.

- Minderung von Emissionen, insbesondere von NOx

- Verringerung von Staus, Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur

- Energie- bzw. CO2-Einsparung

Hier lohnt ein genauerer Blick in die Zahlen, denn da wird getäuscht.

Die Ergebnisse der Befragung sind:

- Der ÖPNV-Anteil nimmt langsam zu und beträgt 19% (Bezirk II: 18%)

- Der Fahrradanteil nimmt etwas schneller zu und beträgt 7% (Bezirk II: 13%)

- Der Autoanteil stagniert seit 1989 und nimmt zuletzt zu. Er beträgt 47% zuzüglich 8% Mitfahrern (Bezirk II: 41+6%)

- Der Fußgängeranteil nimmt kontinuierlich ab und beträgt 19% (Bezirk II: 22%)

Letzteres verwundert, aber das ist u.a. eine Folge davon, dass der Gesamtverkehr erheblich zunimmt und damit selbst bei gleichbleibendem Fußgängeraufkommen der relative Anteil abnimmt. So vermindert sich auch der relative Anteil der anderen Verkehrsmittel mit geringeren Wegstrecken.

Der Bezirk II steht sehr gut da mit hohen Fahrrad- und geringem Autoanteil weit unter 50% (41%). 

Hier muss man aber genauer hinschauen. All diese Daten beziehen sich auf die Anteile an den 1,877 Mio. Wegen, die es pro Tag in Essen gibt. Vom Fußweg zum Bäcker um die Ecke bis zum Weg zur Arbeit in Dortmund.

Wenn man aber die Reduzierung von Emissionen, CO2 oder Staus im Sinn hat, ist diese Betrachtung nicht sinnvoll und man muss die Anteile an den 16,33 Mio. Personen-km pro Tag betrachten. Das tut aber keiner:-(
Hier sehen die Anteile natürlich ganz anders aus. MIV (das Auto), hat hier einen Anteil von 61% und die Fahrräder nur noch 4%. ÖPNV 23%.

Hinzu kommt, dass wir 150.000 Einpendler jeden Tag haben, die überhaupt nicht befragt wurden. Da die auch wieder zurückfahren, sind das allein 300.000 Wege, die weitgehend mit MIV und ÖPNV erfolgen, was den Anteil der Fahrräder auf deutlich unter 3% drückt.

Man mag den Anteil der Fahrten mit Fahrrädern in den nächsten 15 Jahren mit riesigem Aufwand erhöhen können, aber selbst eine Verdoppelung, die angesichts der schon jetzt überfüllten Trassen kaum möglich erscheint, würde nur etwa 3% der Emissionen senken können und das auch nur, wenn man annimmt, dass die Fahrrad-km ansonsten mit dem Auto gefahren worden wären, was sicher nicht der Fall ist. Selbst bei größter Anstrengung wäre also der Nutzen im Bereich von 1-2% der angestrebten Wirkungen.

Das soll nicht heißen, dass man nicht den Radverkehr fördern sollte. Dann aber aus anderen Gründen. Angesichts der Nebenwirkungen von Radverkehrsmaßnahmen muss man genau überlegen warum und wofür man die knappen Ressourcen einsetzt. Folgt man allein der Fahrradlobby, so kann man gegenteilige Effekte erreichen, z.B. indem man Firmen aus Mischgebieten vertreibt oder die Nahversorgung zerstört und damit mehr Verkehr erzeugt.

Erhebliche Wirkungen kann nur der ÖPNV erbringen, zumal er in der Befragung die deutlich größte mittlere Fahrstrecke aufweist! Hier muss man also investieren (Versorgungsdichte, Takte, Zuverlässigkeit, Qualität, Preis…). Außerdem sollte man das Pendeln vermindern (home work, Wohnen und Arbeiten städtebaulich nicht weiter trennen, Anreize zum Umzug schaffen, Nahversorgung verbessern...), P&R und Mitfahroptimierungen…,

Vor allem darf man nicht Autobahnen in die Stadt einleiten, für die es gar keine geeigneten Straßen gibt. Daher mindestens A52 Lückenschluss.


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