RÜTTENSCHEID - Gute Zeit.

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On-Demand-Bus kommt

Essen gehört zu den ersten in Deutschland, die als Ergänzung zum konventionellen Angebot des ÖPNV ein App-gestütztes und routenoptimiertes Sammelbussystem testen und entwickeln wird, denn es ist klar, dass nur der ÖPVN in größerem Umfang eine Alternative zum Auto darstellen kann. Das flexible Angebot bei dem man den Bus an 2000 virtuelle Haltestellen per App ordern kann, der dann eine optimale Route für die aufgenommenen Fahrgäste abfährt, soll die zeitliche und räumliche Lücke füllen, die das bestehende Angebot nicht erfüllen kann. Zusammen mit den vielen anderen Mobilitätsangeboten wie Car- und Bike-Sharing, eScooter, Mobilstationen u.s.w. kann dies für eine gewisse Zahl von Essenern ein Auto entbehrlich machen oder wenigstens Autofahrten einsparen.

Für einen zweijährigen Test ("Reallabor") wurde zunächst ein Kerngebiet ermittelt in dem man über Handydaten und andere Analysen die meisten Fahrten in den Randzeiten feststellen konnte. Es deckt 17% der Fläche und 1/3 der Bevölkerung ab. Rüttenscheid liegen mitten drin. Später sollen auch die Randgebiete, in denen das System besonderen Sinn hat, einbezogen werden. Maximal 250m soll die Entfernung zum Haltepunkt sein. Eine Kooperation mit den Taxianbietern wird angestrebt. Der Preis liegt zwischen Bahn/Bus und Taxi. Natürlich wird auch dieses Angebot in die ZÄPP-App der Ruhrbahn integriert.

Die Software und die Fahrzeuge mit 6 Sitzen werden gerade gekauft. Sie haben Ähnlichkeit mit den London-Taxis, wie Ruhrbahnvorstand Feller im Verkehrsausschuss zeigte. Es sollte Ende des Jahres losgehen, aber das ist wegen Corona nicht sicher.

Eine andere, sehr interessante Innovation ist bereits weit in der Entwicklung. Ein Tarifsystem, das einen Preis nach der zurückgelegten Entfernung festlegt, ist wesentlich bequemer und gerechter als die jetzigen Waben und komplizierten Ticket-Automaten. „nextTicket 2.0“ wurde bereits getestet, die Einführung aber verschoben, weil man in Coronazeiten andere Prioritäten hat und im VRR noch Abstimmungen laufen.

Auch mit Taktverdichtungen, Rabatten u.a. wird bekanntlich experimentiert, aber Corona hat jetzt für einige Zeit dem ÖPNV empfindliche Einbußen beschert, die das Bild verfälschen.
Zu den langfristigen Maßnahmen gehören neue Verbindungen, wie die verabschiedete Bahnhofstangente Richtung Essen 51 im Norden und die in Prüfung befindlichen Durchstreckungen der U-Bahnen nach Haarzopf und in die Margarethenhöhe etc.. Auch Park&Ride-Angebote gehören zum Handlungskonzept Mobilität, das noch vom alten Rat auf den Weg gebracht wurde.

Fördermittel des Bundes und des Landes ermöglichen es Essen als Modellstadt hier einiges auszuprobieren und zu entwickeln. Das gilt auch für die neue Verkehrsleitwarte, die deutschlandweit absolute technologische Pionierarbeit darstellt, mit Künstlicher Intelligenz, Prognosen unter Nutzung aller existierender Daten aus Handys, Navis, ÖPNV-Ist-Lage, Berücksichtigung von Events und bundesweiter Verkehrslagedatenbank, Wetter etc.. Spannend ist die freie Wahl der Zielparameter, denn das Ziel zu definieren ist gar nicht so einfach und letztlich ein politischer Vorgang. Technologisch sehr aufregend…..

Mehr geht kaum. Kostenloser ÖPNV wäre auch schön, würde aber sofort, mit den jetzigen Fahrgastzahlen 100 Mio. € kosten, noch bevor ein Fahrgast mehr gefahren ist. Das wirtschaftliche Optimum, um möglichst viel Effekt zu erreichen, liegt woanders. Aber vielleicht bei billigeren und anderen Tarifen.


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