RÜTTENSCHEID - Gute Zeit.

Fahrradstreifen

Fahrradstreifen

Roter Fahrradstreifen auf dem Bürgersteig der Rü

1988/89 wurde die Rü, nach dem Bau der U-Bahn, neu gestaltet. Auf 3 km wurde ein einheitliches Straßenbild mit Kirschbäumen und Sumpfeichen, mit den grünen Lampen und Pollern und einer roten Pflasterung installiert. Das laute Kopfsteinpflaster und natürlich die Straßenbahn verschwanden. Nur politische Demagogen behaupten, dass es sich hier um einen reinen Akt zu mehr Autofreundlichkeit gehandelt habe, denn Fotos belegen, dass viele Parkplätze wegfielen und die Fahrbahnen zugunsten der Bürgersteige wesentlich schmaler wurde.

Schon bald gab es auch einen Fahrradstreifen auf dem Bürgersteig südlich der Martinstraße.   

Lange Zeit war dieser Fahrradstreifen kein Thema, obwohl in den letzten 20 Jahren auch die Außengastronomie zugenommen hat. Die Rüttenscheider arrangierten sich und kommen klar.
Doch in den letzten Jahren wurde das Verhalten weniger Fahrradfahrer zunehmend aggressiv und Fußgänger fühlen sich seitdem gefährdet, ja sogar bedroht.

Da erhob sich die Frage, was es juristisch mit dem Streifen auf sich hat.
Ca. 2015 wurden daher namhafte Verkehrsjuristen und die Polizei dazu von uns befragt.

Hier die Ergebnisse:

Zunächst war es überraschend, dass es in der Region keine Urteile oder auch nur Unfälle in den Zusammenhang gab. Die Gefährdung, die Fußgänger angesichts der teilweise schnell und offensiv fahrenden Radfahrer empfinden, scheint also übertrieben.

Die andersfarbige Pflasterung, die auch noch streckenweise unterbrochen ist, hat keine juristische Wirkung. Ein Messegast aus dem Ausland kann nicht wissen, was es damit auf sich hat, zumal die Piktogramme auf dem Boden weitgehend verschwunden sind.
Ein blaues Schild mit Fahrrad fehlt, weil für einen ordentlichen Fahrradweg die Breite zu gering ist. Das ist auch der Grund, warum es keine Nutzungspflicht für Radfahrer gibt. Sie dürfen auch auf der Fahrbahn fahren.

Unabhängig davon bezeichnet der Jurist den Streifen als „Sonderweg“, der auf dem Bürgersteig liegt und weiterhin Bürgersteig ist, der aber von Fahrradfahrern genutzt werden kann. Vorfahrt gibt es nicht. Auch keine Pflicht des Fußgängers Platz zu machen. Die Polizei ist der Meinung, dass der rote Streifen weiterhin Bürgersteig ist und die Radfahrer an kreuzenden Straßen halten müssten, was niemand tut (Stand 1/2020). 

Hier gibt es unterschiedliche Meinungen, insbesondere bei den Fahrradverbänden, die meinen, dass Radfahrer hier besondere Rechte haben.

Diese Fragen kann man sich ersparen, betrachtet man ein höchstrichterliches Urteil: Es ging dabei um zwei Damen, die am Rande eines solchen Streifens standen und dann unachtsam auf diesen traten, wodurch ein Radfahrer mit ihnen kollidierte.
Das Urteil bezieht sich allein auf §1 der StVO, womit die Fragen der Definition des roten Streifens umgangen werden.
Hier heißt es, dass alle Verkehrsteilnehmer sich vorausschauend so zu verhalten haben, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder behindert wird. Der Radfahrer hätte demnach damit rechnen müssen, dass die Damen auf den roten Streifen treten. Er hätte nach Meinung des Gerichtes absteigen oder mindestens Schritttempo fahren müssen, ganz gleich, ob die Damen im Recht sind oder nicht und welchen Status der Streifen hat.

Derartiges Verhalten von Radfahrern ist auf der Rü leider nicht anzutreffen. Mit Blick auf die Fußgänger als schwächste Verkehrsteilnehmer und das Gefährdungsgefühl angesichts der aggressiven Radfahrer gibt es nicht wenige Politiker, die den Fahrradstreifen abschaffen wollen, was die Fahrradlobbyisten natürlich empört. Die jüngste Diskussion über die Rü als Fahrradstraße im Zusammenhang mit Lead City und überschrittenen NOx-Werten befördert dies weiter, denn beides Fahrradstraße und roter Streifen nebeneinander sind nicht möglich.

Wir werden sehen, wie es ausgeht. Jedenfalls gibt es viel mehr Fußgänger als Radfahrer und mit zunehmender Zahl von Älteren ist auch mehr Schutz erforderlich.

Hätte sich das Verhalten einiger Radfahrer nicht so gravierend geändert, wäre all das, wie seit 30 Jahren, gar kein Thema.


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