RÜTTENSCHEID - Gute Zeit.

Museum Folkwang

Das Museum Folkwang

Innenansicht 1935
Rotunde im Museum Folkwang mit dem Frühwerk des belgischen Bildhauers George.
Derselbe Brunnen, fotografiert 2008. An der Wand Der Frühling von Ferdinand Hodler.

Pünktlich zum Kulturhaupstadtjahr 2010 öffnet auch das Museum Folkwang mit dem von der David Chipperfield Architektengruppe entworfenen Anbau seine Tore. Damit ist eine der bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst wieder in vollem Umfang unter einem Dach zugänglich. Wegen der Bedeutung des Museums – das übrigens nicht in Essen, sondern im westfälischen Hagen seine Wurzeln hatte –, soll dessen abenteuerliche Geschichte hier abschließend kurz angerissen werden.

Eine immense Erbschaft ermöglichte dem Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus die Gründung eines Museums in seiner Heimatstadt Hagen, dem er den aus der germanischen Mythologie entlehnten Namen Folkwang gab. Osthaus soll der Wunsch bewegt haben, “der Zentralisierung kultureller Werte in der Reichshaupstadt Berlin ein Gegengewicht entgegenzusetzen”, und zwar im damals bedeutendsten Industriegebiet des Reiches. An die hier arbeitende Bevölkerung wollte er Kunst heranbringen, neue, zukunftsweisende Kunst. Er baute nicht nur eine Sammlung mit bereits berühmten (französischen!) Künstlern wie etwa Renoir, Cézanne, van Gogh und Gaugin auf, sondern richtete auch die Malschule im Folkwang-Museum ein, die jungen Künstlern, z. B. Christian Rohfs und Thorn Prikker, Entfaltungsmöglichkeiten bot. Das Hagener Folkwang-Museum war das erste Museum der Moderne in Deutschland.

Nach dem Tod von Osthaus im Jahr 1921, lockte seine Erben indes die hohe Summe, die die Stadt Essen mit Unterstützung des Kohlensyndikats und anderer Kunstmäzene für die Sammlung bieten konnte. Der klangvolle Name wurde gleich mit übernommen und die Sammlung mit dem schon existierenden Städtischen Kunstmuseum vereinigt. Auch die Idee der Folkwangschule wurde hier aufgegriffen. Dank zahlreicher Zukäufe erlangte das Essener Folkwang Museum bald Weltruf. Umso schmerzlicher war der Verlust durch die Kunstpolitik des Dritten Reiches. Im Rahmen der Aktion Entartete Kunst verlor das Museum weit über 1000 Kunstwerke, praktisch den gesamten Bestand aus dem 20. Jahrhundert. Vom Museumsgebäude selbst waren 1945 nur noch Ruinen übrig. Der Wiederaufbau nach Plänen von Werner Kreutzberger zog sich bis 1960 hin, sollte dafür „einen der gelungensten Museumsbauten der Nachkriegszeit“ zum Ergebnis haben. Dank des unermüdlichen Bemühens um Rückkäufe wie auch gezielter Neuerwerbungen ist die Sammlung heute umfangreicher als je zuvor. Dazu zählt auch ihre weitbeachtete Fotografische Sammlung.

In dem von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung finanzierten Museumsneubau findet künftig auch das Deutsche Plakatmuseum - einmalig in Deutschland und eine der größten Spezialsammlungen weltweit - den seiner Bedeutung angemessenen Platz.


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