RÜTTENSCHEID - Gute Zeit.

RüttenscheiderBrücke

Bauvorhaben Rüttenscheider Brücke

Seit Jahrzehnten wird über die Zukunft des Messeparkplatzes P2, dem Gelände des alten Rüttenscheider Güterbahnhofes, diskutiert. Nach der Bebauung an dessen Rand, entlang der Veronikastraße liegt jetzt ein Antrag vor, von Rüttenscheider Brücke bis Ursulastraße, also entlang der Wittekindstraße zu bauen. Der formale Vorgang der notwendigen Änderung des Bebauungsplanes mit Öffentlichkeitsbeteiligung, Studien für Umwelt-, Verkehrs- und juristischen Fragen hat begonnen.

>>>Das aktuelle Bauvorhaben siehe unten...

Die Meinungen dazu gehen in der öffentlichen Diskussion weit auseinander, und so lohnt es sich vielleicht die Vorgeschichte und die verschiedenen Argumente einmal zusammenzutragen.

Vorgeschichte

Ursprünglich war das Gelände der Rüttenscheider Güterbahnhof, der die in der Umgebung zahlreich vorhandenen Industrie- und Handwerksbetriebe versorgte. Neben der Girardet Druckerei, einer der größten Deutschlands und ihrer Zulieferfirmen ging es geradeaus weiter zum Gasfabrikanten Rommenhöller und in einer Kurve nach Süden zur Zeche Langenbrahm. 

(historische Bilder in unserer Sammlung...)

Planung von 2012 - jetzt im Randbereich, leicht geändert, als Rü-Bogen Bau. Der Bogen entspricht dem alten Bahngleis, dessen Trasse begrünt auch erhalten bleibt.

Entlang dieser Abzweigung soll das Bauvorhaben Rüttenscheider Gärten entstehen, dass den Bogen der Trasse aufnimmt, die als Grünstreifen erhalten bleiben soll. Auf der Rommenhöller-Trasse ist ein weiterer Fuß- und Fahrradweg im Gespräch, der entlang auch dem Bauvorhaben Parc Dunant (alte PH) führen würde.

In westlicher Richtung lag eine Maschinenfabrik (heute ista-Gebäude), eine Ziegelfabrik u.v.a.m.. Unsere Sammlung historischer Bilder zeigt dies noch genauer als dieses Luftbild von 1957.

Luftbild 1957

Der Strukturwandel von der Schwerindustrie hin zu Dienstleistungen kann historisch als wesentliche Attraktivitätssteigerung Rüttenscheids, jedenfalls aus Sicht der Anwohner, angesehen werden, was aber natürlich für die heutige Diskussion nicht entscheidend ist.

Wichtig ist aber, dass fast die gesamte Fläche des Bahnhofes seit dem Ende von Druckerei und Bahnhof mitten im Stadtteil brach liegt. Die Nutzung zum Parken ist zwar sehr wichtig für Rüttenscheid und die Messe, aber schön sieht sie nicht aus.

Die Diskussion, was man damit machen sollte, ist über 30 Jahre alt, verlief aber immer im Sande, weil die Finanzierung von Ideen nicht möglich war oder die berechtigten Interesse der Messe an dem Parkraum nicht kompensiert werden konnten.

Dass erst jetzt erheblicher Protest geäußert wird, verwundert insofern, als die Idee einer Bebauung nicht neu ist und schon mehrfach konkret öffentlich dargestellt wurde.

2008 z.B. bewarb sich die Stadt Essen beim Land NRW um den sog. Gesundheitscampus NRW, der eine ganze Hochschule hier ansiedeln wollte. Dabei wäre die gesamte Fläche von P2 bebaut worden.

Gesundheitscampus

Hier von Norden betrachtet mit dem Girardethaus in Vordergrund. 

Auch hier war schon die Schaffung eines Platzes und das Zurücksetzen des Eckgebäudes vorgesehen. Grund dürfte, wie auch heute, die städtebauliche Bedeutung eines Platzes für Rüttenscheid und die Tatsache gewesen sein, dass die Fassade des Girardethauses unter Denkmalschutz steht und der Blick darauf nicht verbaut werden kann.  
Proteste dazu sind bemerkenswerterweise nicht bekannt.

 
Es gab auch unterschiedliche Veranstaltungen der Bürgerbeteiligung. Zweimal haben z.B. Koschany + Zimmer Architekten KZA im Rahmen der Veranstaltung Kreative Köpfe und des Gesundheitscampus Bürger zu Planungsworkshops eingeladen, bei denen Nutzungsvarianten am Model entwickelt wurden. Die Beteiligung war groß.

Auch hier wurde eine Bebauung der Fläche vorgesehen.

KZA Bürger-Workshop-Entwurf. Die helle Fläche ist der Platz von dem Girardethaus. Die grüne der Deckel zwischen den Brücken entlang der Gregorstraße
Blick von Osten, oben die Grugahalle, vor der die Brücke enden könnte, die die Rü mit Messe und Grugapark verbinden könnte.

Zwischenzeitlich gab es eine Bürgerinitiative der Anlieger mit Ideen, denen sich aber offenbar auch nicht viele angeschlossen haben.
 

Die Interessengemeinschaft Rüttenscheid hat in den 199er Jahren die frühesten Vorschläge gemacht und dabei die städtebaulichen Chancen im Auge gehabt.

Kern war die Deckelung des Grabens vor dem Girardethaus um einen Platz zu schaffen und eine Fortsetzung des Deckels möglichst bis zur Grugahalle. Damit solle ein ebenerdiger Weg von der Rü zur Gruga führen, um diese Anbindung, die oft kritisiert wird, zu verbessern.

Unter dem Deckel sollten mindestens 2 Etagen für Parken vorgesehen werden, um im Bereich der Rü Parkraum zu schaffen, der auch Messe, Grugahalle und Park sehr nutzen würde. - Ein Teil der Diskussion um ein neues Parkhaus, bei der man aber im Stil ehr Investoren abgeschreckt statt angelockt hat.

Um die Kosten gering zu halten, wurde ein seitlich offenes Stahlständerwerk vorgeschlagen.

Diese Anbindungsideen sind später eingegangen in die Workshop-Entwürfe von KZA.

Hier ein früher Entwurf, den Jürgen Darmowski für die IGR zu Papier gebracht hat und ein weiterer von 2002.

Leider hat sich seitdem kein Investor für dieses Modell interessiert, obwohl es in den 20 Jahren einige gab, die viel aufwändigere Tiefgaragen, z.B. am Rüttenscheider Platz oder am Haumannplatz bauen wollten. Wir vermuten, dass die Verwaltung hier auch zu wenig vermittelt hat.

Eine andere Möglichkeit der Finanzierung des Deckels wäre eine Bebauung, die unten ausreichend Tiefgaragenplatz bieten sollte, um den zusätzlichen Bedarf zu decken.

Die Attraktivitätssteigerung der Brachfläche, der Platz direkt an der Rü, die Anbindung der Rü an Messe und Gruga sowie die Schaffung von Parkplätzen an der Rü waren die städebaulichen Ziele der IGR bei diesen Ideen.

Natürlich ließen sich auch andere attraktive Ideen denken, wie Grün- und Erholungsfläche, aber weder die Finanzierung noch der Ausgleich für die Messeparkplätze sind dabei bisher geregelt.

 
Ein anderer Ansatz versuchte unter dem Arbeitstitel GruGate die Anbindung der Rü zur Gruga und Messe zu verbessern. Die Landschaftsarchitekten Davids Terfrüchte + Partner erstellten im Auftrag von Grün&Gruga und in Kooperation mit Rolf Fliß von den Grünen und Rolf Krane von der IGR 2008 ein Konzept.

Zu den Elementen gehörten zwei Rampen an der Nordböschung des Bahnhofgeländes. Die eine im Bild führt von der Rüttenscheider Brücke in Richtung Gruga und wurde leider bisher nicht gebaut, obwohl Gelder beim Land zur Verfügung gestanden haben sollen. Die andere wurde gebaut, nämlich unter der Alfredstraßenbrücke. Leider in einer Ausrichtung weg von der Gruga, weil man vom Bau beider Rampen ausging. 

 
Weitere Elemente waren attraktive, deutlich markierte Wegebeziehungen zum Grugapark.

Es lohnt sich sicher, anlässlich der Entwicklung dies erneut in die Überlegungen einzubeziehen, obwohl keine direkte Beziehung zum Bauprojekt besteht. Nach den bisherigen Planungen reduzieren das Bauvorhaben und die anstehende Sanierung der Alfredstraßenbrücke die Verbindungeswege zwischen Radtrasse und Rü drastisch.
 

Das aktuelle Bauvorhaben

Die Stadt hat vor Jahrzehnten versäumt die Fläche des alten Rüttenscheider Güterbahnhofes von der Bahn zu erwerben. 2002 hatte die Hopf IEG große Teile gekauft. Anderen, wie dem KVR, gehörten zwischenzeitlich Flächenanteile.

Auf den alten Schrebergärten an der Walpurgisstr. wurde 2009 das Quartier4 mit 59 Einfamilienhäusern gebaut. An der Veronikastraße entstand 2017 mit RüNovo auch reine Wohnbebauung. Aber schon vorher waren Teile des Bahnhofsgeländes bebaut. Zwischen RüNovo und Quartier 4 entstand an der Veronikastr. ein Bürogebäude und es wurden 2000 die Sportfreunde 07 angesiedelt als das Stadiongelände vermarktet wurde.

Große Teile von P2 wurden 2012 von Hopf IEG an die Messe verkauft und dabei vereinbart, dass Hopf den Bereich neben der Rüttenscheider Brücke  bis ungefähr Ursulastraße kaufen und bebauen kann, wenn die Messe einen Ausgleich für die Parkplätze bekommt und die Durchfahrt zum hinteren P2 gewährleistet ist. Die politische Abwägung, ob man wegen des Wohnraummangels und der Mietsteigerungen in Essen hier Wohnungsbau zulassen oder eine weitere Verdichtung Rüttenscheids vermeiden und die Brache als Freifläche einer anderen Nutzung zuführen sollte, ist mit diesem Vertrag (dem der Aufsichtsrat, in dem alle Parteien vertreten sind, einstimmig zugestimmt hat) getroffen worden.
Der IGR teilt die Ansicht vieler, dass man sich für eine solche Fläche mitten im dichten Siedlungsgebiet viele attraktive Nutzungen vorstellen kann, aber es erscheint müssig die tatsächliche Sachlage zu ignorieren.

Als städtebaulichen Gewinn setzen wir uns weiterhin für unsere alte Idee eines Deckels zur Schaffung eines  Platzes mit hoher Aufenthaltsqualität ein. Dies ist in begrenztem Umfang Gegenstand der bisher diskutierten Planungen. Außerdem sollte möglichst ein Parkplatzgewinn erzielt werden. 

Zwischenzeitlich wurden allzu verkehrsintensive Nutzungen von Seiten der Politik verhindert, denn auch Verkehr und Parkplätze sind heikle Punkte.

Nachdem man sich 2019 nach langer Diskussion über den Flächentausch (der komplizierter ist, als hier darstellbar) geeinigt hat, wird im September der Rat die Verwaltung mit der Änderung des Bebauungsplanes beauftragen.

Die Fläche des Baugeländes ist in diesem Bild aus dem WAZ-Artikel oben links rot markiert. Die Fläche von Rü... Genuss pur wäre z.B. zur Hälfte betroffen. Unten rechts die Lagerhalle (vorm. Scholten), die für die Ausgleichsfläche weichen wird.

Bilder der Projektstudie des renommierten Architekturbüros HPP aus Aachen, die für einen ersten Versuch im Mai 2018 verwendet wurden und somit zusammen mit den Begründungen im Ratsinformationssystem (RIS) stehen, werden unten dargestellt. Sie wurden allerdings im Laufe der politischen Diskussion bereits geändert. Im August dürften die modifizierten verfügbar werden. Wir stellen sie dann hier ein.

Dieser städtebauliche Entwurf ist nur ein grober Rahmen. Für die Baugenehmigung muss eine detailliertere Planung vorgelegt werden, die durchaus anders aussehen kann. Da ein neuer Bebauungsplan erstellt werden muss, hat die Stadt/Politik begrenzt Möglichkeiten im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages Auflagen zu erteilen.

Die Untersuchungen zur Änderung des Bebauungsplans (Eignung, Umwelt, Verkehr u.v.a.m.) sowie die Bürgeranhörungen erfordern voraussichtlich 9 Monate. Der dann folgende Bauantrag ca. 1 Jahr.

Vorgesehen ist bisher, dass entlang der Wittekindstraße ca. 15.500 m² Wohnbebauung entsteht, was 100-150 Wohnungen entspricht. Die Wohnungsgröße steht noch nicht fest. Die Häuser haben 6 Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss auf dem Dach. Eines der drei Wohnhäuser realisiert geförderten Wohnungsbau, was zu niedrigeren Mieten mit Wohnberechtigungsschein führt.

Blick entlang der Wittekindstraße Richtung Rü. Vorne links zweigt die Ursulastraße ab.
Der große Baum steht als Naturdenkmal unter Schutz.
Blick an der Witekindstraße.
Auch, wenn Details abgebildet sind, wird darüber erst bei der Baugenehmigung, aber nicht im B-Plan-Verfahren diskutiert.
Entlang und in den Höfen werden Bäume und Grünflächen angelegt.

  
An der Ecke zur Rü ist ein Gebäude mit ca. 6000 m² Gewerbe und ca. 600m² für Einzelhandel und/oder Gastronomie im EG angedacht. Es ist zurückgesetzt, da die Sicht auf die denkmalgeschützte Fassade des Girardethauses frei bleiben muss. 

Nach links nicht vollständig zu sehen, der neu geschaffene Platz.

Bürogebäude an der Ecke Rü, Wittekindstraße zurückgesetzt. Links: neuer Platz und Girardethaus, rechts Rü199.
Die Draufsicht zeigt hell die 4 Gebäude. Der Platz links oben mit den Streifen grenzt an die bereits bestehende Plattform am Girardethaus (Fritzpatricks, Hudson's). Angrenzend sind drei helle Flächen im neuen Deckel zu erkennen, die Lichtöffnungen für den darunter geführten Radweg darstellen.
Entlang des Girardethauses führt eine zweispurige Straße zum östlichen Teil von P2. Daneben wird die bestehende Radtrasse gerade und in gleicher Breite von 5m verlängert. Er schließt dann, wie bisher, im Osten an die bestehende Radtrasse wieder an und kann später gut mit der geplanten Radtrasse auf dem Rommenhöllergleis verbunden werden, welches hier mündet.
Die roten Pfeile zeigen die Tiefgaragenzufahrten auf der Wittekindstraße bzw. Eingänge.
Die Wohngebäude sind umgeben von Grünflächen. Die größeren haben Bäume.
Bäume gibt es auch entlang der Wittekindstraße.
Ein anderer Entwurf, der nicht zum Zuge kam, hat auch Bäume entlang der Planstraße. Hier ist allerdings wenig Licht.
Nach diesem Entwurf ist das Bürogebäude eine Etage höher als die Wohngebäude. Alle haben 7 Etagen incl. Staffelgeschoß. Die Wittekindstraße fällt nach Osten hin ab.
Tiefgarage
Seitenansicht mit Höhen. Der Bauherr reklamiert, dass die Gebäude nicht höher seien als die Spitze des Girardethauses. Aber die Gebäude auf der anderen Seite der Wittekindstraße haben 3 und 4 Etagen.
Eine andere Darstellung des Platzes und des gewerblichen Eckgebäudes.

 

Die PDFs in der Vorlage im RIS sind besser ins Detail zoombar. Aber es gibt bereits Änderungen, die im Rahmen der Diskussionsprozesse ausgehandelt wurden (vielleicht auch in der Etagenzahl). Wir tragen sie nach, sobald sie verfügbar sind.

Es gibt in der Bürgerschaft einige Gegenstimmen und zuvor hat auch die Bezirksvertretung einstimmig alle kritischen Punkte betont, die auch in der öffentlichen Diskussion sind. Themen sind dabei: Verdichtung des Viertels, Bauhöhe, Parkplatzbilanz, Verkehrsüberlastung der Umgebung, Durchleitung des Fahrradweges, Frischluftschneise, Mietkosten.

Das Rüttenscheider Bürgerforum wird nach den bisherigen Planungen im Oktober oder November einen Workshop unter Beteiligung des Bauherren, der Architekten, der Behörde, der Parteien und vor allen der Bürger, unterstützt von Sachverständigen durchführen.

Am 13.11.18 hat Planungsdezernent Hans-Jürgen Best beim öffentlichen Kommunalpolitischen Abend der CDU über alle Bauvorhaben und die städtebaulichen Planungen in Rüttenscheid vorgetragen.

Beklagt wird, dass es keine über die formalen Verfahren hinausgehenden Bürgerinformationen und -beteiligungen gibt. Sie hätten sich auch vor Jahren angeboten, um über die Vielzahl der aktuellen Bauvorhaben im Zusammenhang zu diskutieren. Jetzt sind alle Baugenehmigungen erteilt oder kurz davor, so dass eine Gesamtbetrachtung nur noch wenig konkreten Einfluss bringen kann. Mit den Geländen von PH, Paas, Conrad, RüBogen, Straßen NRW, Belle Rü, um nur einige Stichworte zu nennen, ist in den letzten Jahren ein Volumen von ca. 1200 Wohnungen in Bau genommen worden. Die Ballung liegt an dem rund sieben Jahren langen Bauverbot durch die Bezirksregierung wegen des ausstehenden Baus der Abwasserleitungen im Walpurgistal. Danach sind keine großen Bauvorhaben mehr zu erwarten, denn es gibt keine freien Grundstücke mehr. 

Die Behörde verweist darauf, dass sie nur die formal vorgesehene Bürgerbeteiligung durchführen kann und ansonsten einen Auftrag der Politik und eine Finanzierung für weitere Beteiligungen oder städtebaulichen Wettbewerbe benötigt. Im Übrigen würden die angesprochenen Fragen im Rahmen der erforderlichen Gutachten behandelt.

Im Detail:

Viele beklagen den Zubau von Freiflächen und die Verdichtung in Rüttenscheid.
Außerdem sind 7 Etagen (incl. Staffelgeschoss) deutlich höher als die Wohngebäude von drei und vier Etagen, die an der Wittekindstraße gegenüberliegen.

Beim Bürobebäude an der Ecke zur Rü ist die Höhe noch am ehesten akzeptabel, da die Kreuzung dann mit 4 hohen Häusern eingefasst wäre. In der Planung ist das neue Bürogebäude so hoch wie das Hopf-Gebäudes Rü199 und die obersten Spitze des Daches des Girardethauses.
Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass an derartigen Kreuzungen um so mehr starke Winde entstehen, je höher die Gebäude sind.

CDU und SPD haben nach den Diskussionen der letzten Monate bereits dargelegt, dass sie mit ihrer Mehrheit im Rat für 5 statt 7 Etagen wären.

Andererseits braucht die Stadt dringend Wohnraum - den auch die Bürger fordern - und das alte Bahngelände ist nicht gerade schön, sondern ehr eine Wunde des Strukturwandels mitten in einem beliebten Mischgebiet.

Vor allem muss man den Platz, der vor dem Girardethaus entstehen soll, als städtebaulichen Gewinn verbuchen. Allerdings gibt es noch keine Vereinbarung mit dem Girardethaus über die bauliche Anbindung und einheitliche Nutzung des Platzes. Es ist eine Voraussetzung für eine positive Entwicklung, dass die bestehende Parkfläche vor dem Girardethaus und die trennenden Elemente aufgehoben werden. 

Angesichts der Parkraumsituation muss das Bestreben sein, möglichst viele Parkplätze zu schaffen. Leider ist es bei den Bauvorhaben der letzten Jahre die Regel, dass oft nur ein Faktor 1 Stellplatz pro Wohnung vorgeschrieben wird. Die IGR hat das immer wieder beklagt und die Politik widerspricht sich, indem Sie die Situation beklagt, aber nicht einmal den Versuch unternimmt hier einen höheren Faktor durchzusetzen. In der Bezirksvertretung hat Planungsdezernent Best klar bekundet, dass es seiner Behörde möglich wäre auch einen Faktor von 2 zu fordern.

Leider sind von den mindestens 2 Parketagen, die unter dem Deckel und den Gebäuden sein sollten, nur ca. 1,4 geblieben. Unter den Wohnhäusern ist eine Ebene nur für diese Häuser vorgesehen und im Bereich des gewerblichen Gebäudes sind es 2 Etagen. Siehe Querschnittszeichnung. Alle Gebäude stehen auf dem durchgehenden Garagenblock.
Das reicht sicher nicht für Bewohner, Mitarbeiter, Kunden und Gäste.
Die Ausnutzung der Parkflächen wäre auch deutlich höher, wenn die Bewohner keine Exklusivplätze hätten, denn, wie auch im sonstigen Rüttenscheid, sind viele Bewohner tagsüber weg, so dass die Parkplätze dann von Kunden oder Mitarbeitern des Gewerbes genutzt werden können.

Beklagt wird auch der zusätzlich entstehende Verkehr. Obwohl die Verwaltung bereits frühzeitig ein Verkehrsgutachten mit Simulation der Verkehrsströme anhand von Ist-Daten für ein größeres Rüttenscheider Gebiet erstellt hat, welches alle großen Bauvorhaben umfasst, wird dieses angezweifelt.

Als Verbindungsweg von Messe zu Ost-P2 und als Durchleitung des bestehenden Fahrradweges ist eine Trasse von ca. 15m Breite incl. 5m Radweg entlang des Girardethauses geplant. Der 50m lange Deckel, der den Platz bildet, bekommt in diesem Bereich drei große Licht-Öffnungen. Siehe Draufsichtszeichnung.

Die Fahrradverbände beklagen, dass die wichtige Gruga-Fahrradtrasse, parallel zur Planstraße verschwenkt werden muss. Dies ist erforderlich, weil der Weg nur am Girardethaus entlang geführt werden kann. Allerdings findet eine solche Verschwenkung, wenn auch etwas geringer, jetzt auch schon im Verlaufe des Radweges statt.

Ferner wird beklagt, dass die Rampe, die jetzt zur Wittekindstraße führt, wegfallen würde. Damit gibt es keine gute Anbindung des Radweges an die Rü. Hinzu kommt, dass bei der Sanierung der Brücke der Alfredstraße die kleine Rampe wegfallen dürfte, da die vorgesehene Ersatz-Tragstruktur mehr Platz benötigen wird. Daher bietet es sich an, die oben bereits vorgestellte alte Planung der großen Rampe zwischen Rü und P2, Richtung Gruga, die unter dem Namen Grugate entwickelt wurde, zu realisieren, worum sich die IGR seit langem bemüht. Ansonsten wird es keine kurze Verbindung mehr zwischen P2 / Radweg und Rü geben.

Weil die bestehende Brücke leicht gewölbt ist, entstehen im Anschlussbereich an den Rändern die im Bild erkennbaren Stufen.

Wie beim Parc Dunant, sollten Angebote für alternative Mobilität, wie wir sie schon lange fordern, auch hier vorgesehen werden (viele Fahrradstellplätze, auch für Lastenräder, Stromangebote für Räder und PKW, Car- und Bikesharing, Anlieferboxen für Lieferdienste u.v.a.m.).

Endlich wurde mal wieder Wohnen und Arbeiten zusammen vorgesehen. Der Mischgebietscharakter Rüttenscheids, der viele Vorteile hat, wurde zuletzt bei anderen Bauvorhaben, die Gewerbe vollständig in Wohnflächen umwandeln, leider immer weiter vermindert. Verkehrsvermeidung ist schließlich das eleganteste Mittel gegen die Verkehrsprobleme!

Es handelt sich hier nur städtebauliche Entwürfe mit denen zunächst ein Bebauungsplan erstellt werden soll. Sie wurden auch schon modifiziert. Eine Öffentlichkeitsbeteiligung ist vorgesehen. Verkehrs- und Umweltgutachten werden noch erstellt.

Details des konkreten Bauvorhabens werden erst im Rahmen der Baugenehmigung festgelegt.

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Bericht aus der Sitzung der Bezirksvertretung am 24.5.18:
Die BVII hatte das Bauvorhaben heute auf der Tagesordnung zur Kenntnisnahme
Im Punkt "Fragen der Bürger" wurde zuvor kritisiert, dass es keine Information und Bürgerbeteiligung gäbe.
Ergebnisse:

- Die Behandlung in Gremien, wie der BV, die alle öffentlich tagen, ist eben der Beginn jener öffentlichen Diskussion, die gefordert wird. Festgelegt ist formal nichts und die Entwürfe sind nur städtebauliche zur Aufstellung des Bebauungsplanes. Dann erst kommt ein Bauantrag mit konkreten Planungen und ggf. eine Genehmigung. Auch, wenn diese nicht viele Vorgaben enthalten darf, wird sie aber, wie üblich, auf der Grundlage eines städtebaulichen Vertrages erfolgen, der viele Vorgaben enthalten kann.

- Studien über Verkehrs- und Klimafragen werden noch erstellt.

- Es wird zusätzlich zu der Vorstellung in der BV und im Ratsinformationssystem eine öffentliche Vorstellung und Diskussion geben, zu der noch eingeladen wird. Herr Müller vom Planungsamt meinte, dass dies erst nach den Sommerferien sein werde, da erst am 21.6. das Thema im Rat sei, aber es gibt andere Stimmen, die meinen, dass der Planungsausschuss (ASP) ja am 7.6. tage und diesen Auftrag erteile, so dass es vor den Sommerferien ginge. Anwohner im Publikum mutmaßten schon, dass es IN den Ferien sein würde.

- Außerdem haben Bürger, wie bei jedem Bauvorhaben, alle Möglichkeiten, Einwände im Rahmen des Anhörungsprozesses formal einzubringen, die von der Verwaltung berücksichtigt werden müssen.

- Die BV-Vertreter haben einhellig ihre Kenntnisnahme mit Bedenken und Fragen versehen, die es zu klären gelte.
Sie gingen in folgende Richtung:

- Zwar ist das gewerbliche Eckgebäude so hoch vorgesehen, wie das Rü199 daneben und würde auch zu den anderen Gebäuden an den Ecken der Kreuzung passen, aber die anderen Wohnhäuser entlang der Wittekindstraße sind 3-4 Geschosse hoch, und damit bestünden große Bedenken ihnen gegenüber 7 Etagen (incl. Staffelgeschoss) zu bauen.

- Die vorgesehenen Stellplätze in der Tiefgarage seien zu wenig für den zusätzlich entstehenden Bedarf.

- Weil Bedenken hinsichtlich der zusätzlichen Verkehrsbelastung bestünden, sollten die in Aussicht stehenden Bauvorhaben in der Nachbarschaft in die Gutachten einbezogen werden und der Gutachter beauftragt werden ggf. Lösungen vorzuschlagen.

- Bedenken wurden hinsichtlich der Folgen für das Stadtklima geäußert.

- Der genaue Verlauf des Radweges ist zu klären.

Im Publikum haben sich Anlieger vernetzt, von denen einer ein bekannter Fachmann ist. Juristische Schritte sind zu erwarten.



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