RÜTTENSCHEID - Gute Zeit.

Bewohnerparken

Bewohnerparken in Rüttenscheid

Das Vorurteil

Ob das Parken in Rüttenscheid angesichts der Attraktivität und Urbanität des Viertels, unakzeptabel schwer für Anwohner ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Sicher kann man nicht den Supermarkt, das Restaurant, den Schuster und den Arzt um die Ecke haben und immer vor der Tür parken wollen, und sicher parken alle täglich irgendwo – auch zu Marktzeiten oder bei Wegfall ganzer Parkhäuser. Das gern gepflegte Vorurteil gegenüber Rüttenscheid erweist sich beim Besuch anderer Stadtteile oder gar Städte auch als ziemlich übertrieben, kann man dort doch noch viel schwerer parken. Aber das ist ja kein Trost.

Weil sehr viele Gruppen mit berechtigten Interessen Rüttenscheid ausmachen (Bewohner, Kunden, Gäste, Einzelhändler, Gastronomen, Markthändler, Mitarbeiter…) geht es um eine verträgliche Definition der Zumutbarkeit. 1-2 Häuserblocklängen zum Auto erscheinen zumutbar, weil viel kürzer als z.B. zur ÖPNV-Haltestelle. Und die ist zu 95% heute gegeben.

Seit Jahrzehnten haben sich alle arrangiert!

Wen bevorzugen?

Urbane Viertel zeichnen sich durch viele unterschiedliche Nutzer mit unterschiedlichen und durchaus berechtigten Interessen aus. Wem soll man Vorrang gewähren, ohne die attraktive Struktur zu schädigen? Schließlich tragen z.B. die Kunden zum Erhalt der Infrastruktur bei, die die Anwohner an ihrem Viertel so schätzen. Und die Beschäftigen und Firmen tragen zur Wirtschaftskraft der Stadt bei.

Auch, wenn Bewohner freiwillig und in Kenntnis der Lage, ihren Wohnung wählen, besteht sicher eine gewisse Bereitschaft, diese Gruppe zu Lasten anderer zu bevorzugen und damit Schäden an anderer Stelle in Kauf zu nehmen. Das Bewohnerparken gilt vielen da als Lösung, jedenfalls bis sie eingeführt ist und man erkennt, dass der Nutzen kaum spürbar ist, wie viele Rückmeldungen aus dem Bereich nördlich Klara- und Zweigertstraße zeigen.

Die Lage

Dabei ist die jeweilige Lage zu betrachten, die sehr unterschiedlich sein kann.
Bei Einführung und Planung derartiger Regelungen werden Untersuchungen und Erhebungen gemacht. Regelmäßig stellt sich dabei heraus, was zu erwarten ist, dass nämlich das Problem der Anwohner dort, und zwar abends, am größten ist, wo reine Wohngebiete vorliegen. In Mischgebieten dagegen wechselt die Nutzung zwischen den Anwohnern und den gewerblichen Nutzern. Wenn die einen gehen, kommen die anderen, und die Bewohner-PKW pro Fläche ist entsprechend geringer.

In reinen Wohngebieten dagegen ist die Not einen Parkplatz zu finden um so größer, je später es wird, weil dann alle zuhause sind und die Bewohner schlicht zu viele und zu große Autos haben. Kunden oder Mitarbeiter können spät abends jedenfalls nicht mehr vertrieben werden.
Hier kann daher ein Bewohnerparken nichts helfen, da es keine Parkplätze schafft!

Nur in Mischgebieten mit gastronomischer Nutzung gibt es abends vorübergehend eine Entlastung für Anlieger, wenn die Kunden und Mitarbeiter gehen. Da aber auch hier - sagen wir um 2 Uhr - kein freier Platz mehr zu finden ist, heißt das nur, dass man mit einer Regelung früher Bewohnern Platz macht, aber nicht mehr Bewohnern. Am Ende aber sind alle Parkplätze von Anliegern belegt, egal ob mit oder ohne Bewohnerparken. Und dafür die Gastronomie schädigen, in die die Anwohner sicher auch schonmal gehen?

Ist Bewohnerparken also eine Lösung für die Tatsache, dass die Bewohner zu viele und zu große Autos haben?
Sollte Politik sich darauf einlassen der einen Gruppe etwas zu nehmen, um eine andere vermeintlich zu bevorzugen?
Was ist der Preis?

Kaum Nutzen

Hauptproblem weitgehend unlösbar
Das eigentliche Problem der Anwohner wird mit Bewohnerparken nicht gelöst, weil es spät abends vorliegt, also zu einer Zeit, in der Kunden und Beschäftigte gar nicht zu Gunsten der Bewohner vertrieben werden können.

Nur in wenigen Bereichen im Zentrum von Regelungszonen und nahe der Rü kann es wenige Bewohner geben, die einen Vorteil haben.

Parkplätze werden nicht geschaffen, keine Alternativen, wie Park&Ride, eingeführt.

Nachteile für Bewohner

Weniger Stellplätze für Anwohner
Die beim Bewohnerparken vorgeschriebene Aufteilung in Zonen führt zur Verminderung des Parkangebotes für die Bewohner, weil sie in den Nachbarzonen nicht mehr parken dürfen. Dies um bis zu 50%, für jene, die an einer Zonengrenze wohnen.

Keine Gästekarten mehr
Ob Gäste oder Pflegedienst, niemand darf mehr ohne zu bezahlen oder für längere Zeit in Bewohnerparkbereichen parken. Das Ausstellen von Gästeausweisen hierfür ist im August 2012 für verfassungswidrig erklärt worden.

Bewohnerparkplatz oft weiter entfernt
Viele Anwohner in Bewohnerparkgebieten klagen darüber, dass die Abschnitte für Anwohnerparken nicht in der Nähe ihres Hauses eingerichtet wurden, sondern weiter entfernt. Pech gehabt. Dann ist der Platz in der Nähe der eigenen Wohnung mehr durch andere beparkt als ohne die Regelung, weil auf den für andere verfügbaren, jetzt viel knapperen Plätzen ein höherer Parkdruck lastet.

Private Stellplätze kaum mehr verfügbar
Noch sieht man gelegentlich Aushänge, dass private Stellplätze angeboten werden. Wegen des hohen Drucks auf die Beschäftigten, werden diese sehr teuer werden und kaum noch verfügbar sein.

Höhere Belastung durch Messe
In Messeumgebung würde bei Einführung des Bewohnerparkens die aufwändige Schrankenlösung wegfallen, aber Politessen können Messefolgen nicht beseitigen, zumal das Personal gar nicht da ist. Wer hier wohnt wird dann eine erhebliche Verschlechterung erleben.

Gebühren ohne Nutzen
Obwohl das Parken zur eigentlichen Problemzeit nicht viel einfacher und oft erschwert wird (s.o.), muss der Bürger zahlen. Es wird damit kein Vorteil erkauft und kein einziger Parkplatz geschaffen. Neue Regelungen werden dazu führen, dass die Gebühren auf einige Hundert Euro pro Jahr steigen werden.

Parksuchverkehr
Da die Lage unübersichtlich (siehe Museumsviertel) und das Angebot für Externe geringer wird, dürfte der Parksuchverkehr und der Unmut zunehmen.

Streit unter Nachbarn und Missbrauch
Letztes Mal gab es großen Streit um Sondergenehmigungen, Gästeausweise, Fälschungen, Missbrauch, Tricks etc.. zwischen den Mitbürgern, die bis dahin friedlich zusammengelebt haben.

Firmen und Firmenfahrzeuge benachteiligt
Leute mit Firmenfahrzeugen oder externem Kennzeichen hatten kaum eine Chance.
Selbst, wenn man ein Haus besitzt, darin einen Laden betreibt und nachweislich viel Außendienst machen muss, bekommt man keinen Parkausweis und darf weiträumig nicht parken.

Kein Zweitwagen möglich
Bewohner, die zwei KFZ haben, können trotzdem nur eine Genehmigung bekommen. So sieht es das Gesetz vor.
An Motorrädern lässt sich der Bewohnerparkausweis gar nicht anbringen. Sie gehen leer aus. Ebenso Anhänger.

Kein Ausweis bei Zweitwohnsitz
Jene, die einen Zweitwohnsitz im Regelungsgebiet haben, haben kaum eine Chance einen Parkausweis zu bekommen und müssen sich andere Möglichkeiten suchen, obwohl sie Zweitwohnungssteuer für die Nutzung der städtischen Ressourcen zahlen.

Kein Parken mehr vor eigener Garage
Auch jene, die jetzt noch ungeschoren vor ihrer eigenen Garage parken, dürfen dies demnächst nicht mehr.

Höhere Mieten
Aus bestehenden Bewohnerparkgebieten wird berichtet, dass die Wohnungsmieten durch die angebliche Bevorzugung der Anwohner gestiegen seien.

Nebenwirkungen von Politessen
Ein hohes Aufgebot von Verkehrsaufsehern ist bis spät abends erforderlich, um die Einhaltung der Regeln weinigsten halbwegs sicherzustellen. Dabei wird natürlich auch jede kleine Verfehlung von Bewohnern geahndet.

Gewerbe wird vertrieben

Rüttenscheids Attraktivität auch für die Bewohner liegt in der Vielzahl gewerblicher Angebote vom Supermarkt bis zum Arzt. Durch die vielen Firmen ist Rüttenscheid aber auch ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt, der als solcher empfindlich geschädigt wird.

Imageschaden vertreibt Kunden
Der Rüttenscheider Einzelhandel, an dem auch den Rüttenscheidern gelegen ist, steht in scharfem Wettbewerb zu Einkaufszentren. Da wird es dem Image nicht zuträglich sein, wenn es heißt, dass weniger Parkplätze zur Verfügung stehen und man überall bezahlen muss.

Gewerbe vertrieben
Die Behörden räumen ein, dass Gewerbe vertrieben wird, weil auch bei erheblicher Außendiensttätigkeit kein Parkausweis ausgestellt werden könne. Man beruft sich auf die Gesetzeslage. Die Vertreibung von Gewerbe aus dem traditionellen Mischgebiet Rüttenscheid schadet nicht nur Rüttenscheid und Essen erheblich, sondern erhöht auch die Parkprobleme, die durch die Mischstruktur vermindert werden.
Die Firmen sorgen durch die zu den Anwohnern zeitlich gegenläufige Parkplatznutzung für Entlastung im Vergleich zu reinen Wohngegenden, wo die Lage deutlich schlimmer ist. (wenn die einen gehen, kommen die anderen – weniger Fahrzeuge pro m²).

Ohne Beschäftigte keine Dienstleister
Die vielen Firmen können nicht ohne den Anteil der Beschäftigten leben, die tatsächlich nicht mit dem ÖPNV kommen können, ganz gleich, ob dieser bei 20 oder 70% liegen mag. Sie können großräumig nicht mehr parken. Alternativen, wie Park&Ride werden nicht eingerichtet. Die IGR hat als einzige bisher an die Firmen appelliert den ÖPNV-Anteil bei den Mitarbeitern zu erhöhen. Nichts kommt dagegen von Politik und Verwaltung, die nur auf Repression setzen. Seit Jahren ist eine Mobilitätsberatung im Gespräch, aber nicht eingerichtet.

Es gibt alt eingesessene Handwerksfirmen, die auch aus Sicht der Bewohner zu einem lebenswerten Viertel gehören, die leider in letzter Zeit wegen der Parkeinschränkungen für die Mitarbeiter in den preisgünstigeren Essener Norden umgezogen sind. Jetzt fahren die Mitarbeiter jeden Tag im Stau quer durch die Stadt zu den Kunden im Süden, wo wir doch den Verkehr und die Emissionen vermindern wollen.

Tod der Hotels
Das Verbot von Gästekarten hat zur Folge, dass die meisten der 19 Hotels in Rüttenscheid, die in der Regel nicht über ausreichend eigene Stellplätze verfügen, nicht mehr existieren können. Und das bei über 100 Jahren Messestadt. Essen demontiert sich wirtschaftlich und macht sich lächerlich.

Keine Kunden mehr abends
Es ist Sinn der Sache abends keine Kunden mehr zuzulassen. Firmen, wie Nelson Müllers Schote, mit dem man sich sonst gerne schmückt, können nicht weiter existieren…. Mittlerweile ist er folgerichtig aus der Emmastraße weggezogen.

Gewerbeobjekte kaum mehr vermietbar
Gewerbeimmobilien sind nach den bisherigen Erfahrungen der Behörden nicht mehr oder schwerer zu vermieten.

Freie Plätze zweckentfremdet
Es ist ein Anteil von Stellplätzen für Gäste und Kunden vorgeschrieben. Diese werden nach den Erfahrungen aus bestehenden Regelungsgebieten oft von den dortigen Anwohnern anstelle der Anwohnerstellplätze genutzt und stehen daher nur zu einem geringen Teil für Besucher und Kunden zur Verfügung, für die sie vorgesehen sind.

Generelle Nachteile

Ineffiziente Parkplatznutzung
Die Fehlbelegung von freiverfügbaren Plätzen, wie auch die exklusiv für Anwohner (die tagsüber gar nicht da sind) reservierten Plätze führen in Mischgebieten zu sinnlosen Leerständen, die den Kunden oder sonstigen Externen nicht verfügbar sind, selbst, wenn sie frei sind. Dies ist in einem Umfang von 20-30% regelmäßig im Gebiet Annastraße der Fall, weil die Anwohner arbeiten sind. Es wird also durch den Dirigismus eine deutlich geringe Nutzung der Flächen erreicht.

Schaden für Gewerbe
Die Verminderung frei verfügbaren Parkraums und die ineffiziente Parkraumnutzung, d.h. der Parkplatzverlust für Kunden und Beschäftige, schadet dem lokalen Gewerbe erheblich.

Schlechte Erfahrungen aber keine Korrektur
Das Regelungsgebiet „Museumsviertel“(nördlich Klara- und Zweigertstraße) ist ein Beispiel für die negativen Folgen. In der Annastr. z.B. stehen tagsüber 20-30% der Parkplätze leer, weil sie für Anwohner exklusiv reserviert sind, die tagsüber aber gar nicht da sind. Außerdem stehen viele Anwohner an freien Plätzen, weil sie näher liegen. Namhafte Geschäfte (z.B. Galerie Heimeshoff), soweit sie noch nicht abgewandert sind, sehen auf leere Parkplätze die ihre Kunden nicht nutzen dürfen.

Diese Zone ist auch ein Beispiel dafür, dass die Verwaltung trotz einmütigen Votums der Politik nicht bereit war Änderungen durchzuführen, wie sie immer verspricht. Die Politik wollte mit großer Mehrheit in der BV flächendeckend Kombiparkplätze, was auch eine Vereinfachung gegenüber den dauernd wechselnden Zonen wäre. Das soll rechtlich nicht möglich sein.

Probleme weiten sich durch Verdrängung aus
Es findet eine Verdrängung der Probleme in Nachbarbereiche statt, so dass immer weiter geregelt werden muss, obwohl in reinen Wohngegengen keine Lösung mehr möglich ist.

Flächendeckende Regelungen untauglich und schädlich
Die Lage in Rüttenscheid ist lokal und zeitlich sehr heterogen, so dass flächendeckende Pauschalregelungen nur schaden können. Niemand hat etwas gegen Bewirtschaftung, wo es lokal und zeitlich Sinn hat, wie z.B. entlang der Rü und auf den 6 anliegenden Parkplätze. Dort gibt es sie aber schon.

Wirtschaftlich unvertretbar

- Hoher Planungsaufwand bei einer Stadt, die eigentlich nur existenziell Notwendiges machen darf

- Kontinuierlich hoher Personalaufwand für Verwaltung und Kontrolle, insbesondere abends und im Bereich Messe, obwohl Personalmangel herrscht und anderenorts größere Probleme vorliegen.

- Abwanderung von Gewerbe

- Rufschädigung und erhebliche Schwächung Rüttenscheids als wichtigen Stadtteil für Essen

 

ruettenscheid.de/bewohnerparken         Dr. Rolf Krane

 

 


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