RÜTTENSCHEID - Gute Zeit.

Grugapark & Grugahalle

Der Grugapark - Erholung und Vergnügen

Der heutige Grugapark hat mehrere Väter oder Mütter. Zunächst plante die Essener Ausstellungsgesellschaft Anfang der 20er Jahre zur Attraktivitätssteigerung der Messe, das Umfeld in eine gepflegte Grünanlage zu verwandeln.

Gartenschauen reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück, als sammelfreudige Fürsten einem ausgewählten Publikum ihre botanischen Raritäten zur Schau stellten. Bald wurden solche Pflanzenschauen demokratisiert, schließlich internationalisiert (IGA). Die zahlreichen Gartenschauen hatten nun die Mühe, sich durch stets neue Attraktionen von den vorherigen abzuheben, etwa mit einem reizvollen Namen. Den fanden die Planer der Essener Gartenschau in einem einprägsamen Kürzel: GRUGA für “Große RUhrländische GArtenbau- Ausstellung”. Die weitere Besonderheit der Essener Schau lag noch darin, dass erstmals eine Gartenschau als Volkspark erhalten bleiben sollte.

Aber umgesetzt werden konnte die Idee in den wirtschaftlich schweren Zeiten nur durch eine politische Maßnahme, die man etwas beschönigend “produktive Erwerbslosenfürsorge” nannte. Sie sollte die horrende Arbeitslosigkeit verringern. Immerhin war das Ergebnis nicht schlecht. Rund 2 Millionen Besucher waren bis Ende des Eröffnungsjahres 1929 zum Teil von weit her angereist, um diesen Blütengarten inmitten des Industriegebietes zu bestaunen, viel Prominenz darunter. Neben Blüten und Grün gab es Café-Terrassen, Tanzflächen und Wasserspiele, die abends bunt beleuchtet wurden. Zum Wahrzeichen der ersten Ausstellung geriet der markante Aussichtsturm, eine frei tragende Eisenkonstruktion von Paul Porten. Ihn zierte bereits jene stilisierte Tulpe, die – leicht abgewandelt – zum Logo des Parks werden sollte.

Als Vergnügungspark nach Wiener Vorbild war schon 1926 zwischen Norbertund Lührmannstraße der “Prater” entstanden. Doch der musste 1930 wegen der damaligen großen Wirtschaftskrise seine Pforten wieder schließen. Auch Pläne zur Erweiterung der Gruga wurden auf Eis gelegt. Die nationalsozialistischen Machthaber aber erkannten den Propagandawert und griffen die Pläne mit der Reichsgartenschau 1938 wieder auf. Die Gruga wurde auf 47 ha vergrößert, damit fast verdoppelt. Zu den neuen Attraktionen gehörten die Liliputbahn und ein Kinderzoo.

Der Zweite Weltkrieg verwandelte den Park allerdings wenige Jahre später in eine Mondlandschaft. Auf diesem Boden wuchsen in den Notzeiten der Nachkriegsjahre statt Blumen nun Kartoffeln und Gemüse. Erst nach der Währungsreform 1949 zogen allmählich die Blumen wieder ein und die Besucher kamen zurück.

Zur Bundesgartenschau 1965 erfolgte eine umfassende Umgestaltung und Erweiterung auf 65 ha über die sie einst begrenzende Lührmannstraße hinaus. Die schon 1927 im Bereich des Stenshofes angelegte Lehrschau “Botanischer Garten” wurde mit einbezogen. Damit hatte sich die Gruga zu einem Park entwickelt, der europaweit in seiner Anlage, Größe und Vielfalt zu den schönsten zählt. Gleichzeitig wurde das Grugabad, das größte Freibad im Revier eröffnet.

“Auferstanden aus Ruinen”

Für die Entwicklung der Stadt und des Stadtteils war der Zweite Weltkrieg ein tiefer Einschnitt. Die Kruppschen Produktionsanlagen machten Essen zu einem besonderen Ziel der Alliierten, wodurch auch Rüttenscheid erheblich zerstört wurde. Die Wunden des Krieges bestimmten noch über Jahre das Bild des Stadtteils.

Das Gesicht Rüttenscheids wandelte sich in den Zeiten des Wirtschaftswunders gewaltig. Viele der in Eile errichteten neuen Wohnbauten gerieten in den ersten Jahren des Wiederaufbaus äußerst nüchtern und blieben ohne Ausstrahlung.

Dann folgte eine Phase, die man ‘Vergangenheitsbereinigung’ nennen möchte. Manches vielleicht reparable Bauwerk, wie etwa das alte Rathaus, musste einem völligen Neubau weichen. Hier entstand 1955 das Sparkassengebäude im typischen Stil der Nachkriegsmoderne.

Abrisspläne hatte es ja auch für die beschädigte Siechenhauskapelle gegeben. Es ist dem entschiedenen und unermüdlichen Einsatz von Rüttenscheider Bürgern, allen voran Rechtsanwalt Paul Zahnen und Willi Kierdorf, zu danken, dass sie erhalten blieb und heute als Raum der Andacht und Stille offen steht. Sie ist Anbetungskapelle und Gottesdienstraum, in dem einmal wöchentlich – am Mittwoch – eine Messfeier stattfindet.

Ein modernes Rüttenscheid sollte dagegen in den Jahren 1961-62 mit dem Bau des Karstadthauses und den angegliederten Geschäftspassagen geschaffen werden, der Rüttenscheider Stern sich damit zugleich zum Zentrum Rüttenscheids entwickeln, was auch gelang. Die Schließung des Kaufhauses nach knapp 50 Jahren spiegelt einmal mehr das stete Auf und Ab im wirtschaftlichen Geschehen, das gern leichthin mit Strukturwandel umschrieben wird.

Zunehmendes demokratisches Bewusstsein führte dazu, dass immer mehr Menschen, selbst – alleine oder im Verein – für die Gesellschaft handelten, wo es not tat. Lange bevor die große Politik bürgerschaftliches Engagement als “eine wichtige zivilgesellschaftliche Ressource” entdeckte, etablierte sich 1950 der Bürger- und Verkehrsverein Rüttenscheid. Der erste Vorsitzende, Karl Hohlmann, sah seine Aufgabe vor allem darin, hilfsbedürftige Mitmenschen zu unterstützen und mit der Stiftung Rüttenscheid den Blick seiner Mitbürger für spastisch gelähmte und schwer behinderte Kinder zu schärfen. Mit unermüdlich eingesammelten Bürgergroschen konnte 1970 ein Haus der Behinderten an der Rüttenscheider Straße 157 errichtet werden. Zu Ehren des Stiftungsgründers erhielt es den Namen Karl-Hohlmann-Haus.

Auf breiterer Basis für den gesamten Stadtteil bringt sich seit 1988 die Interessengemeinschaft Rüttenscheid – kurz IGR – ein. Herzensanliegen der Vereinsgründer und ihres ehrenamtlich tätigen Vorstandes ist es, den Stadtteil so lebendig, liebenswert und attraktiv zu erhalten, wie er sich im Bewusstsein seiner Bewohner wie seiner Besucher von auswärts verankert hat.

Die Grugahalle

Grugahalle - eine architektonische Meisterleistung und ein Wahrzeichen der Stadt, hier vor Fertigstellung im Jahr 1955.
1959 wird in der Grugahalle der Film
„Windjammer“ auf der damals größten
Leinwand der Welt uraufgeführt.

Die 1958 errichtete Grugahalle ist ein Kind der Messe, aber eines, das in vielerlei Hinsicht auf eigenen Füßen steht. Schon der Vorgängerbau auf gleichem Grund, die Ausstellungshalle V, war 1927 von dem namhaften Architekten Josef Rings als Mehrzweckhalle konzipiert worden. Der wenig tragfähige Untergrund hatte damals besonderen Aufwand beim Fundament erfordert. An diesem hatte sich der Neubau, der 8.000 Menschen Platz bieten sollte, zu orientieren. Das beflügelte nicht nur die Phantasie der damit beauftragten Architekten Brockmann und Lichtenhahn. Die Halle selbst erhob sich mit ihren markanten Schmetterlingsflügeln eine Etage über dem alten Fundament, baulich eine Sensation. Sie geriet zu einem Wahrzeichen der Stadt und steht als architektonische Besonderheit unter Denkmalschutz.

Aber auch mit dem, was sich auf ihrer Bühne abspielte, hat die Grugahalle Geschichte geschrieben. Dazu gehört zweifelsfrei die deutsche Uraufführung des Dokumentarspielfilms Windjammer, der 1959 hier auf der damals größten Leinwand der Welt zu sehen war. Mit der Grugahalle verbinden sich spektakuläre Sportveranstaltungen ebenso wie zahlreiche politische, religiöse und kulturelle Großereignisse. Auch vielen Musiklegenden bot sie eine Bühne.

Grugahalle und die daneben weiter gewachsene Messe führen uns zur Rüttenscheider Urzelle zurück. Die war ja schon lange kein weltabgeschiedener Ort mehr, hatten aber in der Entwicklung Rüttenscheids eher eine Randlage. Nun wächst gerade an dieser Stelle ein ganz modernes Rüttenscheid empor.

Spätestens durch den Ausbau der Bundesstraße 288 zur Bundesautobahn A 52 im Jahr 1966 war der Stadtteil auf sehr kurzem Wege gleich mit zwei Flughäfen – Mülheim und Düsseldorf – verbunden worden. Was zunächst vor allem der Attraktivität der Messe gedient hat, bewog inzwischen Weltfirmen wie Hochtief und E.ON-Ruhrgas, sich hier mit repräsentativen Verwaltungsbauten niederzulassen, wodurch Rüttenscheid ein ganz modernes Tor nach Süden erhielt. Auch im Norden wurde das Tor zum Stadtteil erheblich aufgewertet. Lange hatte das ehemalige Glückaufhaus auf eine neue Zweckbestimmung warten müssen. Inzwischen ist hinter der denkmalgeschützten Fassade ein moderner Verwaltungskomplex herangewachsen.


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