RÜTTENSCHEID - Gute Zeit.

RuettenscheiderBruecke

Bauvorhaben Rüttenscheider Brücke

Seit vielen Jahren wird über die Zukunft des Messeparkplatzes P2 diskutiert. Nach der Bebauung an der Veronikastraße liegt jetzt ein Antrag vor von Rüttenscheider Brücke bis Ursulastraße, also vor dem Girardethaus, zu bauen. Der formalen Vorgang der Erstellung eines Bebauungsplanes mit Öffentlichkeitsbeteiligung, Studien für Umwelt-, Verkehrs- und juristischen Fragen hat begonnen. Siehe unten...

Die Meinungen dazu gehen in der öffentlichen Diskussion weit auseinander, und so lohnt es sich vielleicht die Vorgeschichte und die verschiedenen Argumente einmal zusammenzutragen.

Vorgeschichte

Ursprünglich war das Gelände der Rüttenscheider Güterbahnhof, der die in der Umgebung zahlreich vorhandenen Industrie- und Handwerksbetriebe versorgte. Neben der Girardet Druckerei, einer der größten Deutschlands und ihrer Zulieferfirmen ging es geradeaus weiter zum Gasfabrikanten Rommenhöller und in einer Kurve nach Süden zur Zeche Langenbrahm. 

(historische Bilder in unserer Sammlung...)

Entlang dieser Abzweigung soll das Bauvorhaben Rüttenscheider Gärten entstehen, dass den Bogen der Trasse aufnimmt, die als Grünstreifen erhalten bleiben soll. Die Rommenhöllertrasse ist als weiterer Fuß- und Fahrradweg, entlang auch dem Bauvorhaben Parc Dunant (alte PH), im Gespräch.

In westlicher Richtung lag eine Maschinenfabrik (heute ista-Gebäude), eine Ziegelfabrik u.v.a.m.

Luftbild 1957

Der Strukturwandel von der Schwerindustrie hin zu Dienstleistungen kann historisch als wesentliche Attraktivitätssteigerung Rüttenscheids, jedenfalls aus Sicht der Anwohner, angesehen werden, was aber natürlich für die heutige Diskussion nicht entscheidend ist.

Wichtig ist aber, dass fast die gesamte Fläche des Bahnhofes seit dem Ende von Druckerei und Bahnhof mitten im Stadtteil brach liegt. Die Nutzung zum Parken ist zwar sehr wichtig für Rüttenscheid und die Messe, aber schön sieht sie nicht aus.

Die Diskussion, was man damit machen sollte, ist über 20 Jahre alt, verlief aber immer im Sande, weil die Finanzierung von Ideen nicht möglich war oder die berechtigten Interesse der Messe an dem Parkraum nicht kompensiert werden konnten.

Dass erst jetzt erheblicher Protest geäußert wird, verwundert insofern, als die Idee der Bebauung nicht neu ist und schon mehrfach konkret öffentlich dargestellt wurde.

2008 bewarb sich die Stadt Essen beim Land NRW um den sog. Gesundheitscampus NRW, der eine ganze Hochschule hier ansiedeln wollte. 

Gesundheitscampus

Dabei wäre die gesamte Fläche bebaut worden.

 
Proteste sind dazu nicht bekannt.

 
Zweimal haben Koschany +Zimmer Architekten KZA im Rahmen der Veranstaltung Kreative Köpfe und des Gesundheitscampus Bürger zu Planungsworkshops eingeladen, bei denen Nutzungsvarianten am Model entwickelt wurden. Die Beteiligung war groß.

Auch hier wurde eine Bebauung vorgesehen.

KZA Bürger-Workshop-Entwurf. Die helle Fläche ist der Platz von dem Girardethaus. Die grüne der Deckel zwischen den Brücken entlang der Gregorstraße

Zwischenzeitlich gab es eine Bürgerinitiative der Anlieger, denen sich aber offenbar auch nicht viele angeschlossen haben.
 

Die Interessengemeinschaft Rüttenscheid hat in den 199er Jahren die frühesten Vorschläge gemacht und dabei die städtebaulichen Chancen im Auge gehabt.

Kern war die Deckelung des Grabens vor dem Girardethaus um einen Platz zu schaffen und eine Fortsetzung des Deckels möglichst bis zur Grugahalle. Damit solle ein ebenerdiger Weg von der Rü zur Gruga führen, um auch diese Anbindung, die oft kritisiert wird, zu verbessern.

Unter dem Deckel sollten mindestens 2 Etagen für Parken vorgesehen werden, um im Bereich der Rü Parkraum zu schaffen, der auch Messe und Grugahalle sehr nutzen würde.

Um die Kosten gering zu halten, wurde ein offenes Stahlständerwerk vorgeschlagen.

Diese Anbindungsideen sind später eingegangen in die Workshop-Entwürfe von KZA.

Hier ein früher Entwurf, den Jürgen Darmowski für die IGR zu Papier gebracht hat und ein weiterer von 2002.

Leider hat sich seitdem kein Investor für dieses Modell interessiert, obwohl es in den 20 Jahren einige gab, die viel aufwändigere Tiefgaragen, z.B. am Rüttenscheider Platz oder am Haumannplatz bauen wollten. Wir vermuten, dass die Verwaltung hier auch zu wenig vermittelt hat.

Eine andere Möglichkeit der Finanzierung des Deckels wäre eine Bebauung, die unten ausreichend Tiefgaragenplatz bieten sollte, um den zusätzlichen Bedarf zu decken.

Die Attraktivitätssteigerung der Brachfläche, der Platz direkt an der Rü, die Anbindung der Rü an Messe und Gruga sowie die Schaffung von Parkplätzen an der Rü waren die städebaulichen Ziele der IGR bei diesen Ideen.

Natürlich ließen sich auch andere attraktive Ideen denken, wie Grün- und Erholungsfläche, aber weder die Finanzierung noch der Ausgleich für die Messeparkplätze sind dabei bisher geregelt.

 
Ein anderer Ansatz versuchte unter dem Arbeitstitel GruGate die Anbindung der Rü zur Gruga und Messe zu verbessern. Die Landschaftsarchitekten Davids Terfrüchte + Partner erstellten im Auftrag von Grün&Gruga und in Kooperation mit Rolf Fliß von den grünen und Rolf Krane von der IGR 2008 ein Konzept.

Zu den Elementen gehörten zwei Rampen an der Nordböschung des Bahnhofgeländes. Die eine im Bild führt von der Rüttenscheider Brücke in Richtung Gruga und wurde leider bisher nicht gebaut, obwohl Gelder beim Land zur Verfügung gestanden haben sollen. Die andere wurde gebaut, nämlich unter der Alfredstraßenbrücke. Leider in einer Ausrichtung weg von der Gruga, weil man vom Bau beider Rampen ausging. 

 
Weitere Elemente waren attraktive, deutlich markierte Wegebeziehungen zum Grugapark.

Es lohnt sich sicher, anlässlich der Entwicklung dies erneut in die Überlegungen einzubeziehen, obwohl keine direkte Beziehung zum Bauprojekt besteht.
 

Das aktuelle Bauvorhaben

Schon 2002 hatte die Hopf IEG große Teile des alten Rüttenscheider Güterbahnhofs gekauft. An der Veronikastraße entstand Wohnbebauung.
Große Teile wurde von einigen Jahren an die Messe verkauft und dabei vereinbart, dass Hopf den Bereich neben der Rüttenscheider Brücke  bis ungefähr Ursulastraße bebauen kann, wenn die Messe einen Ausgleich für die Parkplätze bekommt und die Durchfahrt zum hinteren P2 gewährleistet ist. Die Ausgleichsfläche ist nach langem Ringen am Heizwerk gefunden und viele Einzelheiten mittlerweile ausgehandelt.

Der IGR ist weiterhin wichtig, dass unsere alte Idee eines Deckels auf dem alten Güterbahnhofsgelände endlich teilweise zustande käme und so ein Platz mit hoher Aufenthaltsqualität entstünde, denn an Plätzen mangelt es in Rüttenscheid. Außerdem sollte möglichst ein Parkplatzgewinn erzielt werden.
Zwischenzeitlich wurden auch allzu verkehrsintensive Nutzungen von Seiten der Politik verhindert, denn auch Verkehr und Parkplätze sind heikle Punkte.

Bilder der Projektstudie des renommierten Architekturbüros HPP aus Aachen sind im Ratsinformationssystem zusammen mit den Anträgen zu finden. 

Sicher wird es wieder sehr kontroverse Meinungen zu dem Bauvorhaben geben.
Es sieht vor, dass entlang der Wittekindstraße ca. 15.500 m² Wohnbebauung entsteht, was 100-150 Wohnungen entspricht. Die Wohnungsgröße steht noch nicht fest. Die Häuser haben 6 Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss auf dem Dach. Eines der drei Häuser realisiert geförderten Wohnungsbau.
An der Ecke zur Rü ist ein Gebäude mit ca. 6000 m² Gewerbe und ca. 600 für Einzelhandel und Gastronomie im EG.

Einerseits werden viele ein Zubauen von Freiflächen in Rüttenscheid beklagen, zumal 7 Etagen hoch erscheinen, auch verglichen mit den ersten Planungen. Andererseits braucht die Stadt dringend Wohnraum und das alte Bahngelände ist nicht gerade schön, sondern ehr eine Wunde des Strukturwandels mitten in einem beliebten Mischgebiet.

Vor allem muss man den Platz, der vor dem Girardethaus entsteht, als städtebaulichen Gewinn verbuchen. Der Blick auf die denkmalgeschützte Fassade bleibt erhalten. Allerdings gibt es noch keine Vereinbarung mit dem Girardethaus über die bauliche Anbindung und einheitliche Nutzung des Platzes. Vor allen ist eine Voraussetzung für eine positive Entwicklung, dass die bestehende Parkfläche vor dem Girardethaus und die trennenden Elemente aufgehoben werden. 

Der Verkehrsweg, zu dem auch die Radtrasse gehört, wird vor dem Girardethaus installiert und bekommt Lichtöffnungen zum Platz hin. Weil die bestehende Brücke leicht gewölbt ist, entstehen an den Rändern die im Bild erkennbaren Stufen.

Leider sind von den mindestens 2 Parketagen, die unter dem Deckel sein sollten nur ca. 1,4 geblieben. Im hinteren Bereich hat der Tiefgaragenblockes, auf dem alle Gebäude stehen, nur eine Etage. An der Rü zwei. Den in letzter Zeit bei Bauvorhaben vorgeschriebenen, unrealistisch geringen Stellplatzquoten von unter einem Parkplätze pro Wohnung sollte die Politik unbedingt entgegenwirken, zumal ein erheblicher Mitarbeiter- und Besucherbedarf hinzukommen wird. Jetzt bestünde die Chance in einem vielbesuchten Bereich der Rü öffentliche Parkplätze zu schaffen!

Wie beim Parc Dunant, sollen Angebote für alternative Mobilität, wie wir sie schon lange fordern, auch hier vorgesehen werden (Fahrradstellplätze mit Stromangeboten auch für die ePKW, Car- und Bikesharing u.v.a.m.).
Endlich wurde mal wieder Wohnen und Arbeiten zusammen vorgesehen. Der Mischgebietscharakter Rüttenscheids, der viele Vorteile hat, wurden zuletzt bei anderen Bauvorhaben, die Gewerbe- vollständig in Wohnflächen umwandeln, leider vermindert. Verkehrsvermeidung ist schließlich das eleganteste Mittel gegen die Verkehrsprobleme!

Das Ganze sind nur städtebauliche Entwürfe mit denen zunächst ein Bebauungsplan erstellt werden soll. Eine Öffentlichkeitsbeteiligung ist vorgesehen. Ein Verkehrsgutachten wird noch erstellt. Vieles ist noch offen.

Ende 2019 kann Baurecht geschaffen sein und 2020 mit dem Bau begonnen werden.

 

 

+++++

Bericht aus der Sitzung der Bezirksvertretung am 24.5.18:
Die BVII hatte das Bauvorhaben heute auf der Tagesordnung zur Kenntnisnahme
Im Punkt "Fragen der Bürger" wurde zuvor kritisiert, dass es keine Information und Bürgerbeteiligung gäbe.
Ergebnisse:

- Die Behandlung in Gremien, wie der BV, die alle öffentlich tagen, ist eben der Beginn jener öffentlichen Diskussion, die gefordert wird. Festgelegt ist formal nichts und die Entwürfe sind nur städtebauliche zur Aufstellung des Bebauungsplanes. Dann erst kommt ein Bauantrag mit konkreten Planungen und ggf. eine Genehmigung. Auch, wenn diese nicht viele Vorgaben enthalten darf, wird sie aber, wie üblich, auf der Grundlage eines städtebaulichen Vertrages erfolgen, der viele Vorgaben enthalten kann.

- Studien über Verkehrs- und Klimafragen werden noch erstellt.

- Es wird zusätzlich zu der Vorstellung in der BV und im Ratsinformationssystem eine öffentliche Vorstellung und Diskussion geben, zu der noch eingeladen wird. Herr Müller vom Planungsamt meinte, dass dies erst nach den Sommerferien sein werde, da erst am 21.6. das Thema im Rat sei, aber es gibt andere Stimmen, die meinen, dass der Planungsausschuss (ASP) ja am 7.6. tage und diesen Auftrag erteile, so dass es vor den Sommerferien ginge. Anwohner im Publikum mutmaßten schon, dass es IN den Ferien sein würde.

- Außerdem haben Bürger, wie bei jedem Bauvorhaben, alle Möglichkeiten, Einwände im Rahmen des Anhörungsprozesses formal einzubringen, die von der Verwaltung berücksichtigt werden müssen.

- Die BV-Vertreter haben einhellig ihre Kenntnisnahme mit Bedenken und Fragen versehen, die es zu klären gelte.
Sie gingen in folgende Richtung:

- Zwar ist das gewerbliche Eckgebäude so hoch vorgesehen, wie das Rü199 daneben und würde auch zu den anderen Gebäuden an den Ecken der Kreuzung passen, aber die anderen Wohnhäuser entlang der Wittekindstraße sind 3-4 Geschosse hoch, und damit bestünden große Bedenken ihnen gegenüber 7 Etagen (incl. Staffelgeschoss) zu bauen.

- Die vorgesehenen Stellplätze in der Tiefgarage seien zu wenig für den zusätzlich entstehenden Bedarf.

- Weil Bedenken hinsichtlich der zusätzlichen Verkehrsbelastung bestünden, sollten die in Aussicht stehenden Bauvorhaben in der Nachbarschaft in die Gutachten einbezogen werden und der Gutachter beauftragt werden ggf. Lösungen vorzuschlagen.

- Bedenken wurden hinsichtlich der Folgen für das Stadtklima geäußert.

- Der genaue Verlauf des Radweges ist zu klären.

Im Publikum haben sich Anlieger vernetzt, von denen einer ein bekannter Fachmann ist. Juristische Schritte sind zu erwarten.



Zurück