RÜTTENSCHEID - Gute Zeit.

Text Rüttenscheid

Zech-Haus

Zech Haus

Ein weiteres großes Bauvorhaben erregt die Rüttenscheider Gemüter. Es geht um die Bebauung des Grundstückes zwischen Alfredstraßen-Brücke und Atlantic Hotel. Damit liegt es in unmittelbarer Nähe des Bauprojektes der Hopf IEG an der Rüttenscheider Brücke, das auch auf P2 vorgesehen ist.

 

Der Stand im August 2022:

Im Dezember 2021 wurde durch die WAZ öffentlich, dass die Gustaf Zech Stiftung ein neues Bürogebäude neben ihrem Atlantic Congress Hotel errichten will. Hier sollen die Regionalverwaltung der Rhein-Ruhr-Region der Zech Group konzentrieren werden.
Zunächst berichtete die WAZ von 1000 Arbeitsplätzen, die in Essen geschaffen würden, gegenwärtig von 450. Vielleicht sind damit die im Gebäude vorhandenen konkreten Arbeitsplätze gemeint, denn eine Quote von 30-50% von Abwesenheit ist heute üblich. Hinzu kommt aber ein Bedarf durch ein Schulungszentrum, das in den Vorlagen erwähnt wird.

Die Zech Group ist ein sehr großer Familienkonzern mit rund 12.000 Mitarbeitern, Sitz in Bremen und Hunderten Beteiligungen von Landwirtschaft über Immobilien bis hin zu Werften. Ein Schwerpunkt ist die Immobilienwirtschaft. Die Liste der stattlichen Bauvorhaben, die Zech Bau vorzuweisen hat, ist lang. In Essen hat man gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit gemacht, z.B. beim Neubau des Museum Folkwang, der Rue199, der e.on-Hauptverwaltung, des Huyssen Quartiers, der Verwaltung der RAG-Stiftung auf Zollverein, Franz Sales Haus, Huyssen Quartier, Biomasseheizwerk Grugapark und eben dem Atlantic Hotel. 

Als mit dem WAZ-Artikel die öffentliche Diskussion begann gab es nicht einmal eine Bauvoranfrage, so dass sich formal weder Verwaltung noch die politischen Gremien damit befassen konnten. Die verwunderte Bürgerschaft konnte entsprechend auch wenig tun, außer einige Sorgen zu formulieren. Das tat auch die IGR im Oktober 21 auf Anfrage von HPP Architekten.

In der Zwischenzeit gab es Landtagswahlen bis zu denen das Thema ruhte. Seitdem ist klar, dass die schwarz-grüne Koalition im Rat das Vorhaben will.

Am 7.7.22 veröffentlichte die WAZ Entwürfe. (Bilder von HPP unten)

Mitte August 2022 erschienen die ersten Vorlagen für die Bezirksvertretung II und den Planungsauschuss im Ratsinformationssystem. In der Sitzung am 25.8.22 erhoben Vertreter aller Parteien Bedenken, insbesondere hinsichtlich der Parkplatzbilanz (s.u.), aber auch hin

sichtlich der Eignung des Standortes.

Der Bauherr, genau die Gustav Zech Stiftung Management GmbH, will Vorschläge zur Lösung des Parkproblems machen und zeigen, wie die gültige Stellplatzsatzung eingehalten werden kann.

 

 

 

Das Projekt

Die folgenden Entwürfe sind bisher öffentlich. Sie sind im Rahmen des vorhabenbezogenen Bebauungaplanes noch relativ unverbindlich und werden erst nach dem Bebauungsplan im Rahmen der Baugenehmigung konkreter festgelegt. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass die Planungen weit gedien sind und nur noch wenige Änderungen wahrscheinlich sind. Während die Baugenehmigung der Verwaltung von den umfangreichen Rechten des Bauherrn ausgeht, die sich aus dem Baugesetzbuch ergeben, ist der Bebauungsplan eine politische Entscheidung mit vielen Freiheitsgraden und wird oft von städtbaulichen Verträgen zwischen Stadt und Bauherrn begleitet.

 

 

Die Bäume auf der Brücke werden natürlich mangels Platz in der Tiefe nicht möglich sein.
Eine gewisse V-Form des Baukörpers und der Begrünung soll auf die Grugahalle anspielen.
Platz zum Hotel hin und Anbindung an P2 und Schönleinviertel

 

 

Das Grundstück zwischen der Alfredstraßenbrücke und dem Hotel Atlantic ist relativ klein und wird gegenwärtig für 32 freie Parkplätze, darunter drei Schnellladestationen und zwei Carsharing-Plätze, genutzt.

Das Gebäude soll so hoch werden, wie das gegenüberliegende Wohnhaus auf der anderen Seite des P1, an der Ecke Norbertstraße. Das sind 13 Etagen auf ca. 50m mit einer geplanten Bruttogeschossfläche von ca. 12.000m² (in anderern Quellen steht 60m, aber das kann am unterschiedlichen Bezugspunkt P2/B224 liegen). Die Straße Grugaplatz zwischen Rüttenscheider Straße und Grugahalle wird unter dem Gebäude durchgeführt. Der Fuß- und Radweg Grugatrasse bleibt unberührt und geht am Gebäude vorbei. Es schließt an die Brücke an und hat eine Breite von ca. 2/3 der Brücke.

Das Grundstück gehörte der Messe und ist Teil des Messeparkplatzes P2 genannt 2a.

In Vorgespräche wurden von den Parteien und auch der IGR kritische Punkte eingebracht und im Verlauf des letzten Jahres teilweise berücksichtigt. Im Oktober 2022 sollen Teilweise wurde kritisiert, dass ein öffentlicher oder erweiterter Diskurs nicht früher stattgefunden hat, was WAZ-Chefredakteur Stenglein zu einem entsprechenden Kommentar veranlasste.
 

Bedenken und Argumente

Die Höhe

Man kann es so empfinden, dass dieser Bereich vor der Grugahalle eine der letzten größeren Freiflächen in Rüttenscheid ist. Hier empfinden viele ein Hochhaus als ein Zubauen dieser Fläche und beklagen generell eine zu starke Verdichtung Rüttenscheids.

Dem wird entgegen gehalten, dass gerade die hohe Bauform und die geringe Grundfläche wenig an der Erscheinung der gesamten Freifläche ändert und im Gegenteil die spiegelbildliche Anordnung der beiden "Hochhäuser" den Platz (P1) architektonisch eingerahmt. Auch auf der anderen Seite der B224 steht ein hohes Bürohaus (ex ista). Im Übrigen sei die Fläche ausschließlich von Hauptverkehrsstraßen geprägt und daher kaum von Bürgern genutzt.

Die Frage, ob man Hochhäuser mag und ob einem die Architektur gefällt, ist Geschmackssache und immer umstritten. Man weist darauf hin, dass man eine sehr begrünte Fassade mit gestalterischen Anspielung auf die Grugahalle gewählt habe, was aber selbst in den Animation wenig erkennbar ist. "Das grüne und smarte Gebäude soll die identitätsstiftende Faltung des Grugahallen-Dachs in einer begrünten Fassade aufnehmen." Dazu zählen auch die versetzt gefalteten und auskragenden begrünten Terrassen. Auch die Grundfläche ist nicht rechteckig.

HPP Architekten stehen für hohe Qualität und Kreativität und haben im Vergleich durchaus schon originellere Entwürfe geliefert. Die Optimierung bei kleiner Grundfläche spielt hier vermutlich eine Rolle.
 

Stadtklima

Das Stadtklima ist heute ein sehr wichtiger und ebenfalls umstrittener Aspekt bei der Stadtplanung. Dabei geht es in der unmittelbaren Umgebung vor allem um die Vermeidung einer Überhitzung und ggf. den Luftaustausch. Generell führen Skeptiker in diesem Bereich an, das Luftschneisen eingeengt werden.

Bei jedem Bauvorhaben wird dies daher mit einem Gutachten extra untersucht. Das Gutachten zum geplanten Bauvorhaben der Hopf IEG an der Rüttenscheider Brücke hatte zum Ergebnis, das kalte Luft immer nach unten fließt und daher aus dem Bereich Grugapark und Lührmannwald im Westen kein Zustrom kühler Luft zu erwarten ist. Auch im Osten geht es von der Rü aus bergab, was Radfahrer wissen. Die Rü ist eben eine alte Handelsstraße, und die hat man möglichst auf Höhenlagen, d.h. Wasserscheiden gebaut. Wenn es einen Zustrom kalter Luft geben sollte, kann dieser, laut Gutachter, höchstens entlang der Rü von Süden, z.B. aus dem Kruppschen Wald, kommen. Ansonsten wurde die Erhitzung von P2 mit dem Mangel an Schatten und der Graben-Lage begründet und bei Bebauung ehr eine Verbesserung prognostiziert.

Es ist zu erwarten, dass das Gutachten zum Zech-Haus zu ähnlichen Ergebnissen kommen wird.

In beiden Fällen ist mit einer Verstärkung von Winden vor dem Gebäude zu rechnen, weil hohe Häuser entsprechende Strömungen hervorrufen, um so mehr, je höher sie sind. Auf Straßenniveau kann der Aufenthalt dadurch beeinträchtigt werden. Das wird für das Zech Haus aber nur im Bereich des Eingangsplatzes relevant sein.

Bezüglich des überregionalen Klimas weißt Zech daraufhin, dass man höchste Energiestandards einhalten wird. Photovoltaik auf dem Dach, intensive Fassadenbegrünung, Biogas-BHKW mit Biogas aus eigenen Tochternunternehmen der Deutschen Agrar Holding sind einige Punkte hierzu.
 

Grugahalle

Es dürfte Einigkeit darüber bestehen, dass der Blick auf die denkmalgeschützte Grugahalle nicht verbaut werden darf. Das wurde schon bei der Planung des Hotels wider besseren Wissens behauptet, so dass die Glaubwürdigkeit des Arguments und seiner Nutzer gelitten hat. Jetzt aber gilt es aber mehr als damals.

Infrage kommt vor allem der Blick von der Alfredstraße/B224 aus nord-östlicher Richtung blickend (Fahrtrichtung Süden).

Da das Gebäude direkt an die B224-Brücke gebaut wird, wird von hier aus kein Blick mehr auf die Grugahalle mehr möglich sein. Dieser ist allerdings auch ansonsten vor allem im Sommer durch Bäume kaum gegeben.

Sicht von der Alfredstraßenbrücke auf die Grugahalle ist nur im Winter möglich, wenn keine Blätter an den Bäumen sind.

 
Das betrifft eigentlich auch nur die Autofahrer, da es hier kaum Fußgänger gibt. Tatsächlich sind das aber viele, und man sollte sich Gedanken machen, wie das Gebäude auf die vielen Auswärtigen, die hier vorbeifahren, wirkt. Beim e.on-Gebäude z.B. wollte man mit der Architektur bewusst zur A52 hin ein Stadttor und die Stadt Essen zeigen.

Schon östlich der Alfredstr. kann man die Grugahalle nicht mehr sehen, weil die Brücke im Weg ist. In einem sehr kleinen Winkel ist sie allerdings von der Rüttenscheider Brücke aus und durch die Straße Grugaplatz im Winter zu sehen. Dieser Blick bleibt erhalten. Von der Rüttenscheider Brücke aus wird man aber das Hochhaus sehr markant sehen.

Blick von der Rüttenscheider Brücke im Sommer
Blick vom Hotel/Grugaplatz (Weitwinkel)

 
Parken

Sehr umstritten sind wie immer die Verkehrsfragen. Neben den 32 Parkplätzen die jetzt auf der Grundfläche des Gebäudes verfügbar sind, fallen grundsätzlich auch einige der 46 Parkplätze unter der Brücke weg. Letzteres allerdings nicht wegen des Bauvorhabens, sondern wegen der anstehenden Sanierung der Brücke. Siehe www.ruettenscheid.de/rampen.

Damit würde der Stadtteil in unmittelbarer Nähe von Rü, Gruga, Grugahalle und Messe rund 78 bisher kostenlos verfügbare Parkplätze verlieren.

Ca. 1/3 dieser Parkplätze sind per Baulast dem Hotel zugeordnet, müssen also als Voraussetzung des Hotels erhalten bleiben. Dafür gibt es eine Tauschlösung.

 
Das Gebäude soll in der Ursprungsvariante über 60 Parkplätze verfügen, die nur für die eigene Nutzung zur Verfügung stehen werden.

Damit erleidet der Stadtteil nicht nur einen erheblichen Parkplatzverlust, sondern bei 450 Arbeitsplätzen und zusätzlich einem Schulungszentrum entsteht auch ein erheblicher Parkplatzbedarf, der mit 60 Parkplätzen in absehbarer Zeit ganz sicher nicht gedeckt ist. Das gilt auch, wenn darin eine heutzutage bei 30-50% liegende Abwesenheitsquote (Homeoffice, Außendienst, Urlaub, Krankheit) einkalkuliert sein sollte. Schließlich weist Zech darauf hin, wie verkehrsgünstig und nahe der A 52 und B224 das Gebäude liegt. Eine Fahrradgarage wird angeführt, sie ist aber ohnehin schon Teil der novellierten Stellplatzsatzung. Bei Personen, die an Schulungen teilnehmen, muss man mit einem hohen PKW-Anteil rechnen.

Hier ist das Interesse der Stadt und der Anlieger ganz sicher, dass mehr Parkplätze geschaffen werden und diese möglichst auch an Wochenenden oder nachts allgemein verfügbar gemacht werden.

Hier gibt es technisch nur zwei Möglichkeiten, die Erweiterung der Garagenetagen in die Breite und in die Tiefe. Beides wird gegenwärtig diskutiert, so dass mit einer deutlichen Erhöhung der geschaffenen Stellplätze zu rechnen ist. Dies ist ohnehin erforderlich, weil es die gültige Stellplatzsatzung erfordert.

Hinzu kommt das Bemühen den Platz unter der Alfredstraßen-Brücke so gut es geht zu nutzen, denn hier fallen Stellplätze durch die Sanierung des Brückenbauwerkes weg. Infos hierzu, zum Wegfall der Unterführung und zu den geplanten neuen Rampen hier... Die Abbildung oben aus der WAZ bezieht offenbar diesen Raum bereits in das Parkhaus mit ein.

Bei der Beurteilung der Verkehrsbelastung kann man sicher von einer guten Anbindung an ÖPNV, Rad-, Fußverkehr und Straßenverkehr sprechen.
Wenn die üblichen Simulationen des Autoverkehrs mit der Annahme erfolgen, dass 60 PKW oder auch 200 täglich mehr ankommen, wird das kein Problem sein.
 

Verkehrsanbindung

Schon sehr früh hatte IGR auch darauf hingewiesen, dass dieses Bauvorhaben in Zusammenhang mit dem anderen großen Bauvorhaben der Hopf IEG an der Rüttenscheider Brücke gesehen werden muss, insbesondere was die verkehrlichen Implikationen betrifft.

Bereits bei Diskussionen um das Hopf-Gebäude wurde erreicht, dass es eine neue Rampe von P2 zur Rüttenscheider Brücke geben wird und dass die Wegeverbindung vom Schönleinviertel westlich der B224 zur Rü, die jetzt durch die Unterführung unter der Alfredstraßenbrücke besteht, funktionell erhalten bleibt, denn die jetzige Unterführung geht bei der anstehenden Sanierung der Brücke verloren. (s.a. WAZ) Beides wurde in Gestalt zweier Rampen mit geringer Steigung von der Verwaltung fest zugesagt (www.ruettenscheid.de/rampen) und soll auch so mit dem Zech-Projekt abgestimmt worden sein.

Zusätzlich wird Zech eine Brücke von der Schönleinstraße zur Nordseite des P1 erstellen, um die Anbindung des Schönleinviertels zu verbesssern. Hier entsteht außerdem ein Vorplatz zwischen dem Zech Haus und dem Hotel mit einer Fahrradgarage. Der Weg Richtung Gruga und Messe wird damit attraktiver, wie es in den Bildern zu sehen ist.

Hier entsteht ein kleiner Vorplatz, an dem auch der Haupteingang des Bürogebäudes liegen soll. Er wird etwas an den Höhenunterschieden und der Neigung des bestehenden Weges Richtung Grugahalle leiden.

Man erkennt auch, dass die oben erwähnte, vorher schon geplante Rampe auf P2-Ebene jetzt am Gebäude entlang geführt und vielleicht dann auch von Zech gebaut wird, was die Stadt entlasten würde.

Außerdem erkennt man an der Ecke Alfredstraßenbrücke/Schönleinstraße die bisher geplante Fußgängerverbindung zu P2, die dann zusammen mit der Rampe zur Rüttenscheider Brücke die Verbindung zwischen Schönleinviertel und Rü wieder herstellen soll, wenn die Brücke saniert ist.

 

Öffentliche Freifläche und Bäume

Beim Bauprojekt an der Rüttenscheider Brücke wird von Bürgern neben einem Verlust von Bäumen vor allem ein Verlust an öffentlich vielfältig genutzter Freifläche beklagt. Beides ist hier deutlich weniger der Fall.
Als Veranstaltung ist beim Zech Haus nur der Trödelmarkt zum Sommerfest betroffen, der aber beim Zustandkommen des Hopf-Projektes ohnehin nicht mehr auf dem angestammten Teil von P2 stattfinden kann. Alternative kommen der verbleibende P2 im Osten, der Grugapark, der Seitenstreifen der Norbertstraße oder Teile des Messegeländes infrage.

Der Baumverlust auf P2a beträgt mindestens drei mittelgroßen Bäume auf der Straßenseite und zwei etwas größere am Rand der Grugatrasse, je nach Größe des Baufeldes.

 

Anregungen der IGR, das der Konzern im Erdgeschoss Einrichtungen schaffen könnte, die eine Anbindung und Integration in den Stadtteil oder einen Beitrag zum Gemeinwesen leisten könnten, scheinen nicht mehr vorzukommen. Z.B. besteht vielfältiger Bedarf nach Versammlungsräumen, die im Erdgeschoss günstig zur Verfügung gestellt werden könnten. Gerüchten zufolge ist das am Einspruch der Messe gescheitert, obwohl günstige Räume sicher keine Konkurrenz darstellen. Brücke und Vorplatz sind aber positive Beiträge zur Einbindung.

 

Nachbarn derartiger Bauprojekte sind immer die am meisten Geschädigten. Der neue Weg wird wenig darüber hinweg trösten, dass ein hohes Gebäude mit Zusatzverkehr die Umgebung belasten wird. Hinzu kommt eine Verschattung.

Viele weitere Bedenken ließen sich nennen und werden sicher in der in den Burgeranhörungen diskutiert werden. Im Gegensatz zu Wohnbauvorhaben ist eine weitere Belastung von sozialer Infrastruktur kein Argument.
Es scheint aber, als wenn die Planungen weitgehend festgelegt sind.

 

Vorteile

Die Bedenken von Anliegern aber auch die von Rüttenscheidern insgesamt sind verständlich und berechtigt, aber welche Vorteile gibt es, dass selbst die Grünen für das Bauvorhaben sind?
 

Arbeitsplätze

Natürlicherweise unterscheiden sich die Interessen der lokal Betroffenen teilweise von denen der Stadt und den Bürger der Stadt insgesamt.

Für die Stadt Essen sind 450 (oder 1000?) Arbeitsplätze und eine neue Firmenzentrale einer großen Holding, ein wichtiges wirtschaftliches Argument. Es lässt sich auch nicht mit der Tatsache entkräften, dass es in der aktuellen Lage Leerstände bei Büroimmobilien gibt, denn Zech wird ja in das eigene Gebäude selbst einziehen und zieht andere Flächen nicht in Betracht. Offenbar werden Verwaltungseinheiten aus anderen Städten hier konzentriert. Das Familienunternehmen verfolgt dabei nicht nur rein wirtschaftliche Ziele sondern möchte auch einen repräsentativen Standort neben dem eigenen Hotel in dem geschätzten Umfeld, so dass andere Standorte nicht infrage kommen. (Im Spiegel kann man sich an einem älteren Interview von Zech ein Bild machen.)

Für eine Wirtschaftsförderung ist das ein Glücksfall.
 

Mischgebiet

In städtebaulicher Hinsicht wurden in der Vergangenheit von der Politik in Rüttenscheid viele Fehler gemacht, z.B. indem man es zugelassen hat, die traditionelle Mischstruktur Rüttenscheids immer weiter zugunsten des Wohnens abzubauen. Mit klar negativen Folgen. Dabei gab es einige markante Fälle bei denen Bebauungspläne geändert werden mussten und in denen Politik daher viel Einfluss hatte.

Wohnen und Arbeiten nahe beisammen bietet viele Vorteile, die unbestritten und hochaktuell sind. Es bietet Möglichkeiten der Verkehrsminderung, entspannt die Parkplatzsituation und führt auch nach Meinung der Bürger zu vielen städtebaulichen Qualitäten.

Diesem Trend wirkt das Projekt entgegen und nutzt eine Fläche, die für Wohnen ohnehin kaum in Betracht käme.

Man kann davon ausgehen, dass auch die Rü, anliegender Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistung etc. durch die vielen neuen Mitarbeiter gestützt werden.

Die Qualitäten, die Rüttenscheid seit jeher auszeichnen, werden gestärkt. Diese dürften auch der Grund sein, warum Zech diesen Standort gewählt hat.
 

Standort

Auch macht der Standort heute sicher einen ungepflegten und verwahrlosten Eindruck, den die Stadt Essen aus eigener Kraft wohl nicht beheben würde.

Hier versprechen Akteure natürlich eine städtebauliche Aufwertung und Weiterentwicklung rund um den Messeplatz und dem neuen Entrée der Messe mit einer neue Landmarke sowie einen "sichtbaren aktiven Beitrag zur grünen Stadt Essen".
 

Nachverdichtung

Es ist also nicht mit viel Verständnis für lokale Bedenken aus dem Rest der Stadt zu rechnen, zumal Politiker und Bürger aus den städtischen Randbereichen immer gerne eine Nachverdichtung woanders fordern, um im eigenen Gebiet grüne Freiflächen zu erhalten. Hier gibt es Widersprüche auch innerhalb so mancher Partei.

 

Der weitere Ablauf

Im Juni hat sich die Messe mit Zech über den Verkauf der Fläche geeinigt und der Aufsichtsrat der Messe hat am 15.6.22 zugestimmt.
Die Durchfahrt zu Rest-P2 wurde dabei ebenso gesichert, wie beim Hopf-Projekt. Selbstverständlich wird während des Baus Rücksicht auf den Messebetrieb genommen, vor allem, was die Verfügbarkeit von P1 und P2 betrifft.

Unmittelbar nach der Sommerpause sollen im August 2022 die Planungen den Ratsgremien vorgestellt und der Bebauungsplan auf den Weg gebracht werden.

Es erfolgt ein förmliches Bebauungsplanverfahren inklusive Bürgerbeteiligung und den notwendigen Gutachten (Umwelt, Klima, Verkehr...).

Ende 2023 ist der erste Spatenstich geplant. Zuvor, in 2023, soll die Sanierung der Alfredstraßenbrücke erfolgen. Die Unterführung von der Schönlein- zur Gregorstraße fällt dann aus Platzgründen weg. Sie wird im Rahmen des Bauprojektes durch die Rampe ersetzt. Diese wird durch die früher Grugate genannte Rampe von P2 zur Rüttenscheider Brücke ergänzt, so dass die direkte Verbindung vom Schönleinviertel zur Rü wiederhergestellt wäre. Ob das Bestandteil der Brückensanierung sein wird, ist nicht bekannt. Diese Rampe ist auch wichtiger Bestandteil der Verkehrsfragen rund um das Hopf-Gebäude.
Zwischen Beginn der Brückensanierung in 2023 und Fertigstellung Zech Haus dürfe diese Wegeverbindung also nicht verfügbar sein.

Für viele Bauprojekte stellen die aktuell deutlich verschlechterten Randbedingungen (Zinzen, Lieferprobleme, Personal...) ein Problem dar. Davon wird dieses Projekt viel weniger betroffen sein, denn hier baut ein großes Bauunternehmen für sich selbst.

 

Was tun?

Sicher wird es einige Fundamentalopposition geben. Die Frage, ob Verdichtung in Rüttenscheid nicht auch Verträglichkeitsgrenzen hat, ist berechtigt. Angesichts der politischen Mehrheiten und der Interessen der Gesamtstadt ist aber nicht mit grundsätzlichen Änderungen zu rechnen.

Unter den Einwänden sind einige Themen zu finden, bei denen durchaus etwas mehr ausgehandelt werden kann, wenngleich jetzt, nach dem Verkauf der Fläche und der Festlegung der Politik, keine gute Verhandlungsposition besteht.

Die geschaffenen Parkplätze sollten deutlich mehr sein. Egal, ob sie von eigenen Mitarbeitern genutzt oder an Nachbarn vermietet werden; eine möglichst intensive Nutzung entlastet in jedem Fall die Umgebung, die durch den Messebetrieb ohnehin stark belastet ist. Auch die Messe klagt schließlich dauernd, dass nahegelegene Parkmöglichkeiten immer weniger werden, und der Grugapark sowie die Rü und hunderte anliegende Firmen kommen hinzu.
Eine Nutzung über die Eigennutzung hinaus ist daher auch anzustreben.

Möglicherweise kann die Integration des Objektes und seiner Nutzung in den Stadtteil verbessert werden. Die einfache und preisgünstige Nutzung von Räumen ist da nur ein Beispiel.

Über die wetere Entwicklung, wie z.B. die Anhörungen, wird an dieser Stelle kontinuierlich berichtet werden.

Argumente und Ideen sind willkommen.
Die IGR befragt auch Mitglieder und ist im Bürgerforum entsprechend aktiv.

 

Auf den Internetseiten der lokalen Parteien ist 2 Wochen nach dem zweiten WAZ-Artikel keine Meildung dazu zu finden.

Erste Vorlagen in BVII und Planungsausschuss

Pressemeldung 5.7.22 Stadt Essen

Thomas Kufen auf Facebook

Architekturblatt, Blog Hochhauswelten und viele Arichtekturmedien...

 

 


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